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Zittern auf Station 3

Das Gesicht zuckte. Die Finger spielten unruhig am Bettzipfel. Nervös schaute Ilse Kappus auf die Uhr. „Morgen, morgen kommt das Ergebnis!“

Schwester Ulrike klopfte vorsichtig am Zimmer 211 auf Station 3. „Jetzt warten Sie doch ab, Frau Kappus!“

Frau Kappus lag seit drei Wochen in dem Krankenhaus. Sie wurde wegen starker Schmerzen im Hals eingeliefert. Dr. Wein, der Chefarzt der Spessart-Klinik, schaute besorgt auf den Krankenbericht.

„Wir wissen noch nicht, was es für eine Krankheit ist. Wir haben jedenfalls einige Knötchen entdeckt“, sagte er ernst zu Frau Kappus.

Nun lag sie da. Es war 8.31 Uhr. Neben ihr saß Schwester Ulrike. Heute morgen sollte noch das Ergebnis kommen.

„Meinen sie, es ist Krebs?“ Tränen standen in den Augen der Patientin. „Ach, ich habe so Angst, wie es mit mir weitergeht!“ Frau Kappus schlug die Hände vor das Gesicht, und in einem Weinkrampf zog sie die Bettdecke nahe zu sich her.

Ein banges Warten entstand. Jede Minute eine Ewigkeit. Hilflos beobachtete Schwester Ulrike, wie sich Frau Kappus vor dem Ergebnis fürchtete.

„Darf ich mit Ihnen beten?“ fragte Ulrike.

„Ach, Schwester, Sie sind so gut zu mir … bitte, beten Sie!“

„Lieber Herr Jesus, du weißt, daß Frau Kappus Angst vor einer schlimmen Krankheit hat. Aber du bist der Herr, der allmächtig ist. Du kannst bewahren und helfen. Unsere Zeit steht in deinen Händen. So brauchen wir nicht ungewiß in die Zukunft zu gehen. Du willst bei uns sein …“

Frau Kappus richtete sich im Krankenbett auf. Neue Tränen rannen ihr übers Gesicht. Aber diesmal waren es Tränen der Rührung.

„Mit mir hat noch nie jemand gebetet, außer Ihnen, Schwester Ulrike“, schluchzte die Frau mit tränenerfüllter Stimme. ‘Kopf hoch, es wird schon werden’, sagen mir meine Bekannten. Aber das habe ich jetzt gebraucht. Kann Jesus mir helfen?“

„Natürlich kann er helfen, aber viel wichtiger ist es, daß wir unser ganzes Leben der Hand Gottes anvertrauen, nicht nur, wenn Notzeit ist“, meinte Ulrike. Nickend stimmte Ilse Kappus schweigend zu.

Plötzlich ging nach bangen 80 Minuten die Tür auf. Stationsarzt Dr. Ulrich Reif, der sonst so nette Schwabe aus Schlaitdorf bei Stuttgart, kam bedrückt herein.

„Ach, Frau Kappus … ich glaube … ich muß Ihnen mitteilen, daß …“

„Halt, halt, halt …!“ Dr. Klein zischte im Eiltempo hinterher. „Es gab eine Verwechslung, Dr. Reif. Ich habe neuere Daten von der Computerauswertung.“

„Wie?“ Dr. Reif, Schwester Ulrike und Frau Kappus standen vor Spannung wie versteinert da.

„Ja, Wert 14 ist okay, Wert 17 auch und …“ Das Gesicht von Dr. Klein strahlte. „So, wie ich es erkennen kann, haben Sie eine starke Entzündung, hervorgerufen durch irgendwelche Lebensmittel. Aber in zwei, drei Wochen sind Sie wieder …“

Frau Kappus bekam gerade eine Art Schüttelfrost, als wenn sie die Befürchtung und Aufregung der letzten Minuten abschütteln wollte. Vor Dr. Klein und Dr. Reif und vor Schwester Ulrike faltete sie die Hände und betete: „Herr, du Gott. Ich habe jetzt Hilfe von dir erfahren. Aber ich will dir auch weiterhin vertrauen. Nimm du meine Zukunft in deine Hand.“ Die Augen von Frau Kappus schlossen sich vor Müdigkeit.

Leise zogen die Ärzte und Schwester Ulrike aus dem Zimmer 211 und trippelten in den Aufenthaltsraum.

„Na, jetzt muß halt gebetet werden“, sagte, die Angelegenheit etwas ins Lächerliche ziehend, Dr. Klein.

„So? Wie gut ist es, wenn man sich nicht irgend jemand anvertrauen muß, sondern das Kommende Jesus Christus sagen darf“, entgegnete Schwester Ulrike, die gläubige Christin war.

„Da haben Sie wirklich recht“, betonte mit nachdenklicher Miene Dr. Uli Reif …

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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