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Wetterumsturz in Tirol

„Das könnt ihr unmöglich heute machen“, widersprach Frau Drexler ihrer Tochter Ellen, als sie mit ihrer Freundin Ruth morgens zur Wanderung aufs Brechhorn aufsteigen wollte. Die Sonne blinzelte schon morgens um fünf ins Zimmer des Hotels „Bergspitze“. Es hatte den Anschein, daß es ein prächtiger Tag wird. Familie Manhold und Familie Kister erholten sich in den Osterferien in Tirol.

An diesem Morgen kam beim Frühstück eine lebhafte Diskussion der Mädchen auf. „Mutti, immer verbietest du uns alles – aber wir wollen heute die Wanderung machen. Schau doch: herrlichstes Berg- und Wanderwetter!“ Ernst schauten sich die Eltern an. Sollten sie Ellen und Ruth wirklich allein ziehen lassen? Bis ins Tal lag noch Schnee. „Da kann man doch nicht hoch. Die Schneemassen sind zu gefährlich“, murmelte Herr Manhold, während er ins frische Marmeladebrötchen biß.

„Kommt, wir machen heute eine Ausflug nach Innsbruck …“, schlug Frau Kister den 13jährigen Mädchen vor.

„Ach, so was Langweiliges. Wir wollen lieber die Bergspitzen erklimmen.“ Störrisch gab es ein Hin und Her.

Die Mädchen setzten sich durch. „Aber ich sage euch – das Wetter ist nicht 100%ig, das hält sich nicht“, betonte besorgt Frau Kister.

„Der Wetterbericht stimmt doch selten oder nie“, entgegneten die Mädchen.

„Ich habe jetzt das ständige Widersetzen und das nicht Hörenwollen satt. Dann geht halt!“

Die Eltern beteten miteinander um Gottes Hilfe und Bewahrung, während die Mädchen – strotzend vor Abenteuerlust – die Bergstiefel anzogen. Die Mädchen fuhren mit der Alpenrosenbahn zur Mittelstation, wollten dann den Gampenkogel und schließlich in zweiter Runde das Brechhorn bezwingen. „Du, Ruth, etwas hochnäsig waren wir schon, oder? Und ohne mit dem Herrn Jesus darüber gesprochen zu haben? Ob das gutgeht?“

Auf der Mittelstation lagen im April noch über 60 cm Schnee. Durch eine Pistenraupe war wohl eine drei Meter breite Bahn geschoben worden, jedoch nicht genau die Wegstrecke zur Bergstation. Nachdem die Mädchen mit ihrem Rucksack etwa eine halbe Stunde marschiert waren, setzte plötzlich ein starker Schneesturm ein. „Du ich seh nichts mehr“, rief Ruth angestrengt zu Ellen.

„Wo sind wir?“ ergänzte Ellen. „Vorher war es doch sonnig, blendend und strahlend – und jetzt …“

„Du, ich glaube, daß jetzt unsere Hochnäsigkeit von „Oben“ belohnt wird“, sagte Ruth.

„Ja, Gott hat schon oft durch das Wetter den Menschen eine Nachricht mitgeteilt, aber … meinst du, er will uns jetzt bestrafen, und wir kommen um?“

„Nein, aber uns erziehen, daß wir auf ihn hören!“ Von hinten drang eine ernste und tiefe Stimme durch den Sturm. Herr Manhold und Herr Kister standen mit einem Bergführer der Bergwacht hinter ihnen. „Wißt ihr Mädchen, daß es etwa zehn Meter neben euch 100 Meter abwärts geht?“

„Wwwie?“ Zitternd, angstvoll und fröstelnd von den Eiskristallen im Gesicht standen die Mädchen da. „Der Herr hat uns keine Ruhe gelassen, so daß wir uns trotz des schönen Wetters aufmachten“, sagte Herr Kister.

„Was will uns Gott damit sagen?“ fragte Ellen.

„Du, wir diskutieren hier im Schneesturm nicht weiter – komm, wir gehen nach Hause. Da wollen wir darüber reden.“

Der Hagebuttentee dampfte. Eingewickelt in warmen Decken saßen die Mädchen am Tisch und aßen ein Stück Apfelstrudel. „Mann, da haben wir Glück gehabt“, sagte Ellen.

„Rede nicht so dumm, als wenn du noch nie etwas von der Schutzmacht Gottes gehört hättest“, entgegnete Vater Kister. „Um auf die Frage von heute nachmittag zurückzukommen: Gott zeigt seine Macht bei Sonne und Regen, bei Wind, Sturm, Hagel und Schnee. Und euch hat er bewahrt, gewarnt und will euch helfen, mehr auf ihn – und … uns zu hören.“ Ellen und Ruth hatten eine harte Strafe erwartet. Aber auch diese Lektion saß.

„Nun, wir haben uns von unserem Sturkopf einwickeln lassen, statt zu gehorchen. Wie können wir das gutmachen?“ fragten Ellen und Ruth.

„Wenn ihr so fragt: Das beste Heilmittel gegen Ungehorsam ist Gehorsam und … Gehorsam lohnt sich!“ Die Mutter schob beiden Mädchen noch ein Stück Kuchen auf den Teller – mit viel Schlagsahne zum besseren Merken!

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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