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Volle Pulle ins Brennessel-Feld

„Manni, tu es nicht!“ flehte Tanja, seine Schwester. In der Schwarzwaldstadt Schramberg wohnte Familie Weber im Billionenweg. Und in der Straße gab es eine vergnügte Rasselbande von Kindern, die miteinander allerlei spielten. „Im kühlen Loch“, ganz in der Nähe von „Sepple’s Weiher“ gab es einen steilen Buckel, der auch im Winter als Renn- und Sturzstrecke für waghalsige Schlittenfahrer galt. Manni wollte bei seinen Freunden immer mit neuen Höchstleistungen glänzen. Das ging so weit, daß er seine Fahrradkünste mit akrobatischen Leistungen verwechselte, die er nicht mehr überblikken konnte. Manni, du weißt, daß Mutti gesagt hat, daß du pünktlich zum Abendessen daheim sein sollst“, mahnte Tanja ihren Bruder an.

„Ach, du Jammerkiste, hör doch auf. Immer diese Vorschriften. Bloß weil du ein Jährchen älter bist als ich“, meckerte Manni. „Heute zeige ich der Welt, was es heißt, auf dem Sattel rückwärts zu fahren. Nach krönenden Übungen kommt jetzt der Ernstfall.“

„Manni“, fauchte Tanja, „du brichst dir noch den Hals. Und daß du nicht hören kannst, ist schlimm. Wie heißt es im Sprichwort: Wer nicht hören will, muß fühlen!“

Mannis Freunde Heinz und Fritz grinsten überlegen Tanja und Manni an. Manni merkte, wie seine Boss-Mentalität zu schwinden drohte.

„Tanja, wenn du mit deinem Gelabere jetzt nicht aufhörst, hau ich dich windelweich.“

Manni und seine Freunde radelten los, ohne auf den Rat von Tanja auch nur im entferntesten zu hören.

Da standen sie nun: Auf der Buckelpiste vom „Kühllochgebiet“.

„Tja, jetzt werdet ihr sehen, wer Experte in Fahrradbeherrschung ist“, sagte Manni.

Tanja war in der Zwischenzeit herzklopfend zu ihrer Mutter gesprungen und erzählte ihr die Gefahr. Frau Weber stieg sofort mit Tanja ins Auto. Dann brausten sie am Waldrand entlang den Vogtshofweg hoch.

Manni legte derweilen mit Gegröhle seinen Weg mit dem Fahrrad zurück. Plötzlich merkte er nach wenigen Metern, daß die Handbremse versagte. Käseweiß beobachteten seine Freunde von oben diese lebensgefährliche Abfahrt.

„Hilfe, hilfe, ich kann nicht mehr bremsen“, schrie Manni. Doch keiner konnte ihm helfen. Manni raste rückwärts nach unten durchs Gestrüpp direkt in ein Brennesselfeld und schlug dabei seinen Kopf an einen Holzstumpf.

Frau Weber und Tanja kamen aber erst, als sich Manni wieder aufgerappelt hatte. Hemd und Hose hatten einen Riß, er selbst eine größere Schürfwunde am linken Oberschenkel. Und wie er mit Brennesselstichen übersät war! Den halben Nachmittag juckte es ihn am Po.

„Muttilein, ich  … äh … wollte“, sagte Manni in schlacksigen Worten.

„Was wolltest du, Manni? Ich weiß, was du wolltest: mir nicht gehorchen, auf keinen Rat hören“, sagte streng seine Mutter. „Das hättest du vermeiden können. Man soll nichts übertreiben, zumal dann, wenn es dich und andere gefährdet. Ich glaube, daß der große Gott uns nicht umsonst Ohren in Stereo – also zwei Stück – gegeben hat. Wer Ohren hat, soll hören!“

Frau Weber machte Manni keine lange Standpauke. Aber wenn sie was sagte, saß das schon. Könnte auch der Spruch gelten: „Wer wirklich hören will, wird’s merken!“ Gehorsam lohnt sich. Das darf man als Tip mutig ausprobieren.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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