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Verfolgungsjagd mit dem Teppichklopfer

Urwald in Duisburg. Dschungel in der Luisenstraße 11. Frau Stockburger war ein „Grünzeug-Fan“. Im Haus, am Haus, ums Haus und fast noch auf dem Haus breitete sich ein Meer von Blumen und Pflanzen aus. Überall rankte der Efeu herum. Jeder Platz auf dem Balkon war dicht besetzt mit Geranien. Am Gartenzaun begrüßten Hunderte von Stiefmütterchen jeden Besucher. Wollte man vom Hauseingang in Richtung Flur, benötigte man fast ein Buschmesser und kam sich vor wie im Dickicht von Papua-Neuguinea. Auf der Terrasse züchtete sie noch Tomaten und Gurken.

Sie hütete ihre Pflanzen wie ihre eigenen Kinder. Aber für richtige Kinder hatte sie herzlich wenig übrig. Wehe, wehe, Andreas trat ihr in die Radieschen!

An jenem Märznachmittag geriet Frau Stockburger in die Not ihres Lebens: Andreas Baumann feuerte mit dem linken Fuß seinen Lederball zielgenau auf das Blumentöpfchen mit den Geranien von Frau Stockburger. Eigentlich wollte er das Tor von Tobias treffen. Und mit einem Volltreffer flogen nun die Blümchen plump von der Geländerhalterung auf den Balkon, wo sie standen. Das war zuviel!

Frau Stockburger stürzte in die Besenkammer und zückte säbelrasselnd den Teppichklopfer. In einer Verfolgungsjagd rund um das Haus in der Luisenstraße wurde Andreas gestellt.

„Du alter Flegel machst alles kaputt – schau nur!“ Sein Sparschwein mußte geschlachtet werden.

Aber es sollte sich etwas ändern. In der Gemeinde war Frau Stockburger auch für den Blumenschmuck verantwortlich. Andreas und Tobias gingen in dieser Gemeinde auch in die Jungschar.

Eines Tages wollte Frau Stockburger dringend am Samstagabend noch die Blumen in der Gemeinde gießen. Im Vorraum, wo sich auch ein Wasserhahn befand, stand eine Sprudelflasche. Dabei dachte sie, daß es nützlich wäre, den „restlichen Sprudel“ zum Gießwasser dazuzuschütten. Sie ahnte aber nicht, daß da ungekennzeichnet Unkrautgift drin war.

Am Sonntagmorgen sah sie die Bescherung: Alle Blätter neigten ihr Haupt und waren teilweise verdorrt. Ihr Gesicht wurde aschfahl. Was sollte sie jetzt nur so schnell tun? Da schlenderten Tobias und Andreas zur Kirchentür hinein. Sie wollten gerade wieder abziehen, als sie Frau Stockburger sahen. Doch sie bemerkten, daß sie weinte.

„Was haben Sie, Frau Stockburger?“

„Ach, seht doch nur, die Blumen!“ Sie erzählte kurz die Geschichte, wie es dazu kam.

„Wissen Sie was, wir ändern da was dran!“

In Nullkommanix waren die beiden wieder da und hatten vier schöne Blumengestecke hergeschleppt.

„Wo habt ihr denn diese schönen Gestecke her?“ fragte sie.

„Aus unserem Garten!“ antwortete Andreas.

„Also, Kinder, daß ihr mir so helft, das ist ja wirklich nett. Kommt doch nächste Woche mal bei mir vorbei – und mit eurer ganzen Jungschar.“

Und am Freitag trauten die Kinder ihren Augen nicht. Das ganze Rübenfeld war herausgerissen und zu einer Spielwiese umfunktioniert.

„Ja, Kinder“, schnaufte erleichtert Frau Stockburger, „vor lauter Pflanzen sah ich euch nicht mehr. Ich glaube, ich hatte eine Blumensucht!“

Die Kinder lachten. Bei Saft und Gebäck durften sie toben. Frau Stockburger freute sich an der lachenden Schar.

„Ach, Kinder, ihr seid wichtiger als meine Geranien!“ Und dabei dachte sie an die unangenehme Erfahrung Jonas, die er mit seiner Pflanze bei Ninive gemacht hatte. (Lies im Buch Jona, Kapitel 4!)

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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