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Terror im Haus Schendelmann

„Ich halte das nicht mehr aus!“ Tränenüberströmt wankte Frau Schendelmann zum Küchentisch und stützte sich schluchzend mit ihren Ellenbogen ab. Thomas, ihr zwölfjähriger Sohn, hatte sich wieder einmal auf die höflichste Art verabschiedet. Mit Karacho zog er hinter sich die Tür zu, rammte zweimal mit den Fäusten an die Glastüre und verschwand in Richtung Seitentalstraße. Die Mutter wusste sich nicht mehr zu helfen. Zu ihr war Thomas wie ein kleines Ungeheuer und abends zum Vater wie ein Lämmchen auf der Weide. Der Junge verstand es, seine Eltern vollständig auszuspielen. Erzählte Frau Schendelmann dann ihrem Ehemann von ihren Nöten, so verharmloste der Gatte das ganze Tagesgeschehen. Mit den Worten „Nimm´s nicht so tragisch“ oder „Ich weiß nicht, was du immer hast – zu mir ist er immer brav und anständig“ oder „Lass mich in Ruhe, ich hatte einen anstrengenden Arbeitstag“, verkroch sich Herr Schendelmann genüsslich und kopfschüttelnd hinter seiner Tageszeitung.

Doch dieser Haus-Terrorist Thomas nutzte die Abwesenheit des Vaters und die körperlich schwächliche Natur der Mutter hemmungslos aus. Keinen Respekt hatte er in seinen Knochen. Dieses Einzelkind tobte wegen jeder Kleinigkeit. Lagen die Socken von seinem Fussball-Fanclub nicht in Reih und Glied auf dem Zimmerstuhl, bekam er einen Wutanfall. Hatte seine Mutter die Flecken auf dem Hemd vom Vortag nicht ausgebürstet, dann rastete er aus und schmiss sämtliche Kleider in der Wohnung herum. Lag die Sporthose im Schrankfach ohne Bügelfalte, dann nahm er den nächstbesten Gegenstand und schleuderte diesen in Richtung Spiegel. Krümelten noch einige Reste von der „Kartoffelchips-Party“ des vorigen Abends auf dem Teppich, so war die Katastrophe perfekt.

Die Mutter war als Einzige in der Familie eine gläubige Christin. Jesus war ihr Trost. Sie lag oft stundenlang auf den Knien und schrie zu ihrem Herrn und Gott. Heftige Selbstvorwürfe plagten sie dabei. „Was habe ich nur alles falsch gemacht!“, stöhnte sie und vergrub ihr Gesicht in ihre Hände. Wie hatte sie sich dieses Kind erbeten!

Der Arzt teilte ihr viele Jahre zuvor mit: „Sie können niemals Kinder kriegen!“ Und da bat sie flehentlich Jesus um seine Hilfe – und der Herr erwies sich als treu. Und kaum war Thomas auf der Welt, befiel ihn eine gefährliche Virusinfektion. Thomas überlebte nach intensivem Gebet der Mutter die schlimme Krankheit. Gerade um ihren einzigen Sohn bangte sie täglich. Und nun das! Hörte der Herr nicht mehr auf ihr Gebet? Frau Schendelmann verlor binnen weniger Wochen 15 Pfund an Gewicht. Nur ein kleiner Kreis der Gemeinde durfte von den Seelennöten der Mutter wissen, denn sie selbst wollte über ihren Sohn nicht in der ganzen Gemeinde „herumtratschen“ und ihn gar schlecht darstellen. Im Stillen jedoch erwartete die Mutter jeden Tag das spektakuläre Eingreifen Gottes, ein Wunder mit Getöse, ein machtvolles Auftreten des Herrn im Leben von Thomas.

Doch Gott hatte seinen eigenen stillen Plan. An jenem ereignisreichen Tag im Mai zeigte der Herr seine Allmacht ohne rauschende Begleiterscheinungen. Bei einer Veranstaltung eines Missionswerkes, das sich um Sportler für den christlichen Glauben bemüht, spielte ein gläubiger Fußballer in der Ortsliga von Thomas mit. Er war beeindruckt.

„Christ ist der Kerl – und kann so den Ball kicken“, dachte er für sich. Nach dem aufreibenden und schweißtreibenden Fußball stellte sich jener Profisportler mitten auf den Rasen des Sportplatzes und zog eine Bibel aus seiner Tasche heraus. Gelassen fing dieser Mann an, über seinen Glauben an Jesus Christus zu reden.

„Jetzt wird’s mir zu bunt! Der fängt wie meine Mutter mit frommem Gequatsche an“, brummte Thomas zu einem Mitspieler und verließ den Platz. Doch ganz wollte er nicht vom Platz abtreten. Teilnahmslos saß er, an seinen Sportschuhen zupfend, am Spielfeldrand und hörte dem Lebensbericht dieses Mannes zu.

„Ich war zu Hause nicht nur ein Elefant, nein, ein doppeltes Mammut im Porzellanladen“, erzählte der Sport-Missionar. „Meine Mutter erlebte Terror pur mit mir, es gab nur Knatsch und Elend, mein Leben war sogar wie zerstört. Doch durch die Liebe Gottes wurde mein Leben verändert. In der Not mit mir selbst ging ich ganz auf die Bibel, auf Gottes Reden mit mir ein.“ Thomas stellte seine Ohren wie eine Radioantenne in Richtung Redner ein. „Ich ging ganz auf die Bibel ein!“ – diese Worte setzten sich im Herzen von Thomas fest. Im Grunde wusste er, dass sein gottloses Leben die Ursache für alle Lebensunzufriedenheit, seine Respektlosigkeit und seinen Hausterror war. Thomas musste mit dem Mann auf dem Sportplatz unbedingt noch reden. Und nach diesem offenen Gespräch „packte“ ihn die Liebe Gottes selbst. Das war seine Lebenswende.

Die Mutter merkte es in den darauf folgenden Tagen sogar sehr rasch. Sie war überglücklich über diese erneute Gotteshilfe. „Gott weiß, wann er eingreifen muss, auch wenn es eine längere Zeit viele Tränen kosten kann“, erzählte sie ihrem kleinen Kreis der eingeweihten Gemeindebeter.

Nun wurde Thomas natürlich nicht von heute auf morgen ein „Engelchen“. Doch das Hauptkennzeichen an seiner merklichen Veränderung war der von Gott geschenkte „Überwindungssatz“: „Bitte vergib mir!“ Gottes Macht veränderte einen Menschen – vom zwölfjährigen Haus-Terroristen zum gläubigen Christen.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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