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Schon wieder Rosenkohl

„Ach du dickes Ei – schon wieder Rosenkohl!“ Tine und Michael verzogen das Gesicht wie Omas alte Kaffeetassen. Am runden Tisch im Eßzimmer bei Holzmanns in Mannheim hörte man nur noch eine Faucherei. Völlig genervt reagierte Frau Holzmann.

„Mit nichts, aber auch gar nichts seid ihr in der letzten Zeit noch zufrieden, und ich habe den Eindruck, daß ihr euch gegenseitig hochschaukelt“, bemerkte sie allergisch. Seit Wochen kriselte es in dem sonst so fröhlichen Haus. „Irgendwo ist der Wurm drin“, dachte Frau Holzmann.

Und während sie besorgt nachsann, hörte man aus der Garage ein lautes „Das ist doch eine elende Schweinerei mit der erzdoofen Bohrmaschine – von dem Baumarkt hol ich mir morgen mein Geld zurück!“ Herr Holzmann schimpfte so laut, daß man es durch die geschlossenen Wände dröhnen hörte.

Fast gleichzeitig schrie es aus dem Badezimmer: „Maaamiii, Bluuut, Bluu, Blut!“ Der dreijährige Thomas wollte Tines Puppe den Blinddarm entfernen und benutzte die Schere auf der Spiegelablage. Dabei verletzte er sich am rechten Daumen.

„Ich werde heute noch verrückt, wenn das so weitergeht“, rief Frau Holzmann und eilte mit schnellen Schritten hoch.

„Huuh, diese schrecklichen Hausaufgaben“, seufzte Tine, abweisend ins Englischheft schauend.

Der halbe Samstagnachmittag wurde weiter so verbracht. Ein Familienereignis nach dem anderen löste eine Schimpferei und Motzerei aus. Über jede Mücke an der Wand regte man sich auf. Der Lehrer war nichts und jene Lehrerin noch unmöglicher.

„Die Kleider sind aus dem Jahr 1945“, maulte Tine, und Michael beklagte sich über das Verbot, nicht mit dem Moped eine „Spritztour“ zu undurchsichtigen Freunden zu unternehmen.

„Jetzt wird’s halblang, Helene!“ Herr Holzmann schaute übergiftig zu seiner Frau beim nachmittäglichen Kaffee rüber. „Du wirst doch nicht schon wieder vergessen haben, daß …“

Und so ging’s weiter. Plötzlich klingelte es. Herr Holzmann stand vom Tisch auf und ging eiligen Schrittes an die Tür. Silke Kunze aus der Niedermühlenstraße gegenüber stand an der Tür.

„Herr Holzmann, meine Mutter möchte Sie als Familie gerne morgen nach dem Gottesdienst zum Essen einladen.“

Etwas überrascht, aber mit nickendem Gesicht sagte er: „Ja, ist gut, wir kommen.“

„Wohin sollen wir gehen – zu Frau Kunze? Aber die Frau ist doch nicht gerade reich und lädt uns ein …?“

Der Gottesdienst war vorüber. An diesem Tag predigte Pfarrer Henkel gerade noch über das Thema „Sagt Dank allezeit für alles“. Dann trottete die ganze Familie geschniegelt und geschnagelt zur Wohnung von Frau Kunze. Diese bezog eine ganz einfache Kellerwohnung unten drin in einem Mietshaus. Der Vater hatte die Frau und seine Tochter wegen einer anderen Frau verlassen. Das war für Frau Kunze so schwer, daß sie Hilfe in der Bibel suchte und auf einer christlichen Freizeit zum Glauben an Jesus Christus kam. Doch Jesus half Frau Kunze und Silke. Gott gab Kraft, alles zu ertragen und hörte das Gebet dieser freundlichen Frau.

„Mach mich zu einem Menschen, der trotz Verlust, Traurigkeit und Enttäuschung dankbar und froh ist“, sagte Frau Kunze am reich gedeckten Mittagstisch zu Familie Holzmann hinüber, als sie das Gebet sprach. Alle Holzmanns hörten gespannt zu. Liebevoll bekannte Frau Kunze in großer Freude ihren Glauben an Jesus. Sie hatte eine sehr einfache Wohnung, aber das Beste aus ihrem geringen Geldeinkommen gemacht. Und wie sie strahlte – vor großem Glück.

„Diese Frau ist so zufrieden und dankbar, das gibt’s doch nicht!“ Beschämt schaute Herr Holzmann zu seiner Frau. „Schatz, es tut mir leid um mein Getue!“ sagte der Vater auf dem Heimweg.

„Ach, Schätzchen, ich war doch noch viel, viel komischer, verzeih“, antwortete sie zu ihm hinüber.

„Ja, wir haben in den letzten Wochen die Liebe Gottes aus unserem Haus verdrängt“, meinte Herr Holzmann.

„Und wer dieser Liebe Gottes ‘ade’ sagt, wird ein Obermotzer!“ ergänzte Tine.

Zu Hause angekommen, rannte Michael wie immer hungrig an den Kühlschrank. „Du, Mami, ist noch Rosenkohl da?“

Herr und Frau Holzmann prusteten vor Lachen. „Jede Menge“, antwortete sie.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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