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Perlentauchen

14. Dezember

Perlentauchen

Lies Jakobus 2,1-9

»Du wirst nie erraten, was mir auf der Handelsmesse passiert ist, Tante Erika«, quiekte Carmen, als sie durch die Haustür hereingestürzt kam. Sie strich ihre braunen Locken hinter die Ohren und ließ zwei Perlenohrringe zum Vorschein kommen. »Oh!«, hauchte Tante Erika. »Du musst dein ganzes Spargeld ausgegeben haben, um die zu bezahlen! Oder hat Onkel Frank sie dir gekauft?«

»Wir haben sie nicht gerade gekauft. Ich habe sie an einem Stand für Perlentaucher bekommen«, erklärte Carmen lachend. »Es wurde garantiert, dass in jeder Muschel eine Perle sein sollte. >Kaufe eine Auster – nimm ein Schmuckstück mit nach Hause<, stand auf dem Schild. Und dann habe ich die kleinste, hässlichste Muschel, die es gab, aus der großen Glasschüssel herausgeholt. Als der Verkäufer sie öffnete – rate mal! Zwillinge!«

»Da waren zwei Perlen drin?«, wollte Tante Erika wissen. Carmen nickte und sagte: »Und Onkel Frank hat dafür bezahlt, dass sie zu Ohrringen verarbeitet wurden. Es meinte, das wäre ein zusätzliches Weihnachtsgeschenk.« »Nun ja! Und sie befanden sich in der hässlichsten Muschel?«, staunte Tante Erika und schüttelte ungläubig ihren Kopf.

»Ich wette, dass die Leute sie den ganzen Tag über zur Seite geschoben haben. Das zeigt doch nur, dass man den Wert nicht an der äußeren Erscheinung erkennen kann.« »Ich werde nie wieder so urteilen«, behauptete Carmen. »Ach, übrigens«, meinte Tante Erika, »Marlene Müller hat angerufen, während du weg warst. Sie hat dich zu einer Party eingeladen.«

Carmen machte ein finsteres Gesicht. »Hoffentlich hast du Nein gesagt«, riet sie ihrer Tante. »Ich glaube, niemand wird zu ihrer Party gehen. Sie ist das hässlichste Kind in meiner Sonntagsschulklasse und trägt die blödesten Klamotten!« »Dann ist sie vielleicht das netteste, süßeste Mädchen im Umkreis«, meinte Tante Erika ruhig.

Carmen starrte sie verdutzt an. »Du solltest vielleicht zum Spiegel gehen und diese Ohrringe noch einmal betrachten«, schlug Tante Erika vor. »Sie könnten dich daran erinnern, was du nie wieder tun wolltest, wie du es eben versprochen hast.«

Carmen errötete, als sie sich erinnerte, was sie gesagt hatte. »Es scheint so, als ob Marlene ihre wahre Schönheit hinter ihrer >Muschel< versteckt«, fuhr Tante Erika fort. »In ihrem Innern ist sie vielleicht der wundervollste und einzigartigste Mensch.«

Wie steht es mit dir?

Beurteilst du einen Menschen nach seinem Aussehen oder seiner Kleidung? Beeinflusst dich die Meinung anderer, zu wem du freundlich bist? Jeder Mensch ist in Gottes Augen wertvoll, egal wie der- oder diejenige dir erscheinen mag. Jeder hat ein Potential und einen Wert, den Gott zu seiner Ehre formen kann.

Merke

»Denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott.« Römer 2,11

Urteile nicht nach Äußerlichkeiten!

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