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Ladenglocke mit Gehirnerschütterung

Björn Edelmann schnappte das Funktelefon und verzog sich auf die Toilette. Vorsichtig blickte er um sich, ob niemand von seinen Eltern und Geschwistern ihn beobachtete.

„He, Joachim, heute wagen wir’s, okay?“ Geheimnisvoll flüsterte Björn in den Hörer. „Was meinst du, um halb vier … ja? … geht klar.“ Die angeblich dicken Freunde hatten in den letzten Wochen zunehmend ausgefallenere Ideen, um sich die Zeit an den Nachmittagen um die Ohren zu schlagen. Joachim Krause war schon seit längerem Christ geworden und ging zur Jungschar einer christlichen Gemeinde in Düsseldorf. Tabea Marzian war dort zusammen mit Edmund Denner das schlagkräftige Jungscharleiterteam. Beide Mitarbeiter sorgten sich intensiv um die Entwicklung von Joachim und warnten ihn auch vor den Machenschaften von Björn Edelmann.

„Jo, sei bitte vorsichtig!“ rieten sie ihm mehrmalig. Aber selbst die guten Bibelarbeiten und Ratschläge, die der Zwölfjährige erhielt, schlug er mehr und mehr in den Wind. Dabei hatte es so gut mit ihm begonnen. Bei einer Kinderbibelwoche entschied er sich, Jesus nachzufolgen. Aber dieser falsche Freund Björn nahm ihn mit seinen gefährlichen Ideen total in Beschlag.

Und nun planten sie ein dreckiges „Geschäft“: In einem Videoladen wollten sie einen Horrorfilm ausleihen und ihn sich in einer ruhigen Stunde bei Björn „reinziehen“. Treffpunkt Schlüterstraße.

„Du, Björn, mir ist mulmig zumute. Ich weiß nicht, dieser Film, ob der nicht …“ Joachim trippelte unruhig von einem Fuß auf den anderen.

„Ach, willste jetzt kneifen?“ entsetzte sich Björn. „Mensch, die Szene mit dem elektrischen Todesstoß ist einmalig in der Filmgeschichte. Den Streifen muß man gesehen haben …“ verteidigte Björn. Mit klopfendem Herzen betrat Joachim die Schwelle des Ladens.

„Hoffentlich hat mich niemand gesehen, das gäbe ‘ne Katastrophe“, dachte er und drehte sich nach allen Seiten mit wachem Blick um. Im Laden stand eine mittelschlanke Frau an einem Regal mit Videos, die sie mit ihrer aufdringlichen Frisur und den knallroten Lippen begrüßte.

„Na, Männekens, wat wollt ihr denn hier, ihr Pimpfe?“

„Wi… wi… wir wollen einen Film ausleihen“, stotterte Joachim. Björn zeigte ihr die kalte Schulter.

„Wieso interessiert Sie das?“ fragte er frech.

„Wenn du mir so kommst, schmeiß ich euch direkt raus, ist das klar?“ Blitzartig schoß Joachim ein Gedanke in den Kopf, als er mitten zwischen den vielen dreckigen Filmtiteln in diesem Videoshop stand. Tage vorher hatte er in einer Geschichte von Tabea Marzian über den großen Missionar Paulus gehört: „Während Paulus in Athen auf Silas und Timotheus wartete, wurde er zornig über die vielen Götterbilder und Statuen in der Stadt“ (Apo-stelgeschichte 17,16). Und Joachim bemerkte hier, wie Gottes Geist auch ihn berührte.

„Du, Björn, mir wird’s zu heiß. Nichts gegen gute, saubere Videos – aber ich esse doch nicht auch jeden Käse, oder?“

„Bist du jetzt übergeschnappt?“ fragte Björn.

„Nein, aber Jesus gefällt dieser böse Kram nicht, und Dreck wird nicht sauberer, wenn man ihn wäscht, kapito?“

„Du mit deinen erzfrommen Geschichten!“ reagierte Björn und entpuppte sich mehr und mehr nicht als echter Freund, sondern als brutaler Ich-Mensch.

„Vielen Dank! Ich weiß nun, wo ich dran bin!“ Joachim riß so rasant die Ladentür auf, daß die Ladenglocke fast eine Gehirnerschütterung bekam. Die frische Luft tat Joachim so gut. Er kam sich vor, als wenn er von Fesseln gelöst worden wäre.

„Nee“, sagte er vor sich hin, „mich kann niemand zwingen, Dinge anzusehen, wo ich von Gottes Wort her weiß, daß das gefährlich auf mich wirkt – nöö, mit mir nicht.“ Für Joachim war es ein Sieg, erkennen zu dürfen, was sich als Dreck, Schmutz und „Götzenbilder“ herausstellte. Ganz neu war er entflammt von dem, wie Gottes Wort nachhaltig auf ihn wirkte. „Das war ein Dreck, daß ich jedem Drecksvorschlag hinterherrannte“, sprach er zu sich selbst.

Am Spätnachmittag sah sich Joachim mit einem Nachbarjungen einen guten, lustigen Film an, über den sie sich kringelig bogen vor lachen. Dabei mußte Joachim an den Sieg vor wenigen Minuten denken, den ihm Jesus gab. Ihm wurde an diesem Tag klar: Etwas ansehen ist nicht verboten, nur was man sich ansieht … auf das kommt’s bei Jesus Christus an!

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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