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Kreidebleich in wenigen Sekunden

„Pieks mich mal – ich kann’s noch nicht glauben!“ Uwe Härrer hielt benommen den Einschreibebrief in der Hand. „Hurra, ich habe eine Flugreise beim Preisausschreiben gewonnen!“ Begeistert hüpfte der Elfjährige vor seinem Klassenfreund Klaus Kienzle herum.

„Und wo soll’s hingehen?“ fragte Klaus.

„Hier steht ‘Zwei-Stunden-Flug mit einer Supermaschine über die Weltmeere! Das wird also hochinteressant!“

„Und?“ Fragend stand Klaus vor Uwe. „Wieviel Personen dürfen mit?“

„Du darfst mit!“

„Suuuper!“

„Ja, am nächsten Samstag sollen uns unsere Eltern nach Friedrichshafen am Bodensee bringen.“

Mit großen Erwartungen wurden die Tage durchlebt.

„Wir fliegen bestimmt mit einer Concorde nach Island“, meinte Klaus.

„Ach was, mit einem Airbus nach Kanada“, raunte Uwe.

„Oh, Kinder, habt ihr komische Vorstellungen von einem so kurzen Flug“, sagte Herr Härrer.

Am Flughafen wurden die beiden dann von „Flugkapitän“ Stolzendörfer begrüßt. „Meine Herren, bitte steigen Sie in unsere Maschine ein, die wir extra für Sie gechartert haben.“

Uwe und Klaus schauten sich benommen an: Es war eine kleine, viersitzige Chessna! Und der Flug über die Weltmeere? Das war ein Rundflug über Meersburg und die Insel Mainau im Bodensee. Die Eltern kicherten, denn sie haben mit der Firma nach der Gewinnbenachrichtigung diese Formulierung ausgemacht.

„Ei, Vati, ihr … ihr …!“ stotterte verschmitzt Uwe.

„Na, egal, Hauptsache geflogen!“ bemerkte Klaus. Die relativ lauten Motoren heulten auf, und ab ging es in die Lüfte.

„Jetzt werde ich euch einmal eine Steilkurve zeigen“, protzte Pilot Stolzendörfer angeberisch. Und dann hingen sie rechts seitlich über der Insel Mainau. Plötzlich blubberte der Motor merkwürdig. Herr Stolzendörfer, der sonst eine eher rosige Gesichtsfarbe hatte, wurde kreidebleich. Der Motor ging aus und binnen Sekunden sackte das Flugzeug 20 Meter ab. Total erschrocken klammerten sich Uwe und Klaus an ihre Sitze.

„Müssen wir jetzt sterben?“ kreischten sie. Hektisch wirbelte der Pilot an den Knöpfen und pumpte am Reservemotor, indem er einen Knopf heraus- und hereinschob.

„Lieber Herr Jesus, bitte, greife du ein – rette uns!“ Laut betete Uwe, der mit Klaus zusammen kürzlich während einer Jungscharwoche in Ravensburg zum Glauben an Jesus kam. Dort hatten sie den Bibelvers Psalm 50 Vers 15 gelernt: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten …“

„Meinst du, Klaus, Gott hört uns?“

„Ich weiß nicht so recht …“

Blitzschnell verlor das Flugzeug weiter an Höhe. Die Segelgeschwindigkeit war auch nicht gerade hoch. Die Schweißtropfen klebten am Gesicht des Piloten Stolzendörfer. Da – rrrrhhhhaauuuu … der Reservetank spritzte wieder Kerosin in den Motor. Der „Flugkapitän“ hatte vor dem Start vergessen, den Haupttank vollzufüllen.

Nach der Landung wischte Herr Stolzendörfer erleichtert die Hand über die Stirn. „Na, das haben wir wieder mal geschafft!“ Gezwungen lächelnd übergab er die Kinder den Eltern.

„Na, wie war’s – oder war was?“ fragte Herr Härrer die Jungs.

Uwe sagte: „Warte mal, Paps, ich muß zuerst noch Herrn Stolzendörfer hinterher.“ Schwups, in einem Satz rannte er dem Piloten nach und erreichte ihn nach wenigen Augenblicken. „Herr Stolzendörfer, ich habe da noch etwas …“

„Und das wäre?“

„Ich muß es loswerden, aber … aber Gott hat uns geholfen, und er hat’s geschafft, nicht wir“, sagte Uwe mit aufgeregter Stimme. Betroffen blickte Herr Stolzendörfer in das überzeugte Gesicht des Jungen.

„Ich, ääh, will ernsthaft darüber nachdenken.“

„Meinen Sie das ernst?“ fragte Uwe nochmals zurück.

„Ich … ääh … doch, ich habe auch den Eindruck“ sagte er. Nachdenklich eilte Herr Stolzendörfer Richtung Flughafenabfertigung. Er winkte den Jungen noch zu, aber so, als wenn er sagen wollte: „Du hast recht, Junge!“

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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