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Kommt ’ne Bibel geflogen …

Aus dem kleinen Zimmer in der Zeppelinstraße 12 stieg eine Dampfwolke heraus. Sabine Illermann kochte nämlich gerade – vor Wut! Allerschönstes Badewetter, erstklassiges Klima für italienisches Spaghettieis mit anschließender Abschlußrunde im Zoo. Das wäre es gewesen, doch Sabine hatte Hausarrest. Sie hatte runden Ärger über sich selbst. Warum nur mußte sie zu Frau Turowski im Hausgang wieder mal frech sein. Die alte Frau konnte ja nichts dafür, daß sie humpelte. Oh, wie regte sich Sabine über sich selbst auf.

So saß sie schon zwei Stunden total gelangweilt in ihrer kleinen Bude. Mutti war gerade zur Frauenstunde im Gemeindehaus. Ihr Bruder war mit seinem Freund auf Fahrradtour. Ihr Vati arbeitete in einer Zahnradfabrik. Und sie? Sabine Illermann drehte Däumchen. Plötzlich fiel ihr ein, daß sie mal gerne die kleine Kiste unten im Bücherregal ausmisten wollte, alte Blätter sortieren und so. Als sie so die Kiste aus dem Regal hin und her schob, passierte fast eine mittelschwere Katastrophe. Das ganze Regal wackelte, und gut 10 Bücher fielen ihr entgegen. Sabine konnte gerade noch zur Seite springen. Tante Hedwigs „Edle Kochrezepte“ streifte sie im Genick, und ein dickes Buch fiel ihr direkt in die Arme. Was war denn das? Ein kräftiges Pusten durchwehte das Zimmerchen und eine Staubwolke legte sich so allmählich auf das Sofa. Sabine spickte ins Buch rein und las: „Die Bibel“. Das war echt ein „Zufall“, als ihr dieses Buch vom Regal entgegenkam. Oder war es Führung? In den letzten Wochen war Sabine gar nicht mehr in den Gottesdienst gegangen.

„Immer das gleiche!“ raunte sie. „Beten, Bibellesen. Uhh“, stöhnte Sabine, „so schnell kommt mir keine Bibel mehr in die Hand!“ Sie dachte, sie könnte Gott davonlaufen. Ihre kleine Taschenbibel lag auf dem Speicher, und ihre tägliche Bibellesehilfe befand sich schon seit etlichen Tagen in der Augustenstraße im Müllcontainer. Und jetzt das? Wollte Gott ihr zeigen, daß es zwecklos ist, ihm davonzulaufen?

„Also, wenn das Zufall war, dann heiß ich Otto“, flüsterte sie vor sich hin. Bestimmt war das ein Hinweis: Lies wieder die Bibel! Ohne sie fehlt dir ein starkes Stück Freude. Sie ist Gottes Wort. Darin finden wir Jesus, damit das Leben. Sabines Langeweile verflog wie eine Wolke vom Sturmwind vertrieben. Sie ging an ihren Schreibtisch und begann zu lesen … und zu lesen … Als ihre Mutter kurz vor dem Abendessen in ihr Zimmer trat, bemerkte sie es fast nicht.

„Mami, du, danke für den Hausarrest. Ich glaube, daß der Herr Jesus wollte, daß ich wieder die Bibel lese und ihn liebhabe.“ Sabines Mutter wunderte sich nur, als sie die Portion Bücher zerstreut am Boden sah.

„Was soll denn das?“ fragte die Mutter.

„Ach, das war ein goldrichtiger Zufall!“ lächelte Sabine mit einem Gesicht breitesten Grinsens. „Äh, ich meine erlebte Führung, Mami!“

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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