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Kein guter Tag für Fliegen …

Lutz konnte an keiner Spinne vorbei, ohne ihr ein Bein herauszureißen. Ameisen hatten keinen guten Tag, wenn Lutz ihnen mit seinen Schuhen, Größe 42, auf den Kopf trat. Katzen machten einen weiten Bogen um den Goldammerweg 21, wo er wohnte. Denn wo immer sie ihm begegneten, bekamen sie entweder einen Tritt oder wurden von ihm zu Tode erschreckt, manchmal auch mit einem spitzen Stock gepiekst. Lutz war ein Tierquäler. Der alte Herr Krämer schüttelte andauernd über diesen unerzogenen Jungen den Kopf. Wie kann man nur so grausam zu Tieren sein!

Lutz war übermütig. Er bekam selten eine Strafe. Die Mutter verzog nur die Miene, wenn er mit voller Wucht mit der Fliegenklappe oder einer Zeitung die Mücken „zerdatschte“. Und Lutz lächelte dann darüber. Er merkte nicht, wie er eigentlich vom Abgestumpftsein bedroht war. So konnte es nicht weitergehen.

Monika, das Nachbarmädchen, lud Lutz immer wieder zur Jungscharstunde zu Familie Mayer in den Buchenweg in Dottingen, donnerstags, 17 Uhr, ein. Dort befand sich eine tolle Jungschargruppe. Nur wußte Lutz dies nicht. Er ließ sich von dem „Weibergeschwätz“, wie er es nannte, überhaupt nicht beeindrucken. Doch der Tag kam …

Lutz war auf dem Weg ins Freibad. Badehose, Taucherbrille, eine Flasche Saft und ein Reservehemd schwuppdiwupp in die Umhängetasche. „Jeff“, der eigentlich Johann hieß, war sein Begleiter. Sonst war Lutz oft allein. Wer wollte ihn schon zum Freund haben, außer anderen agressiven Jungs? Auf halbem Weg passierte es dann. Ganz genüßlich war Lutz noch auf einen vorbeispazierenden Mistkäfer getreten, als aus einem offenen Gartengelände eine schwarze Bulldogge blitzschnell auf ihn zuraste. Mit fletschenden Zähnen und haßerfüllten Augen knurrte dieser Hund nur den Lutz an. Jeff wurde komischerweise von dem Hund gar nicht beachtet.

„Bbbbitte, bbbitte, llliiieeber Hhhuuund, mmaammaach mmir nichts“, stotterte Lutz vor sich hin. Dabei griff er zur Tasche und wollte losrennen. Da packte der Hund in einem Nu zu und biß ihn in die Waden. Ein schrecklicher Schrei erfüllte die Straße, und erbärmliches Wimmern drang zum Garten hin. Nur wenige Sekunden später kam der Besitzer totenblaß durch die Gartentür und schrie: „Vetra, Platz! Laß! Komm!“ Der Hund zog sich fletschend zurück.

Die Ereignisse folgten: Arzt, Krankenhaus.

„Das hat meine Bulldogge noch nie getan. Es ist mir ein besonderes Rätsel, und bei Kindern schon besonders“, sagte der Besitzer schweratmend vor dem Krankenbett.

„Hat man den Hund einschläfern müssen?“ Mit fragenden Augen blickte Lutz etwas schmerzverzerrt den Besitzer an.

„Nein, die Polizei hat nochmals davon abgesehen. Meine Haftpflicht zahlt natürlich, aber ein sattes Bußgeld muß ich trotzdem bezahlen“, antwortete dieser.

„Eigentlich muß ich noch ein viel größeres Bußgeld bezahlen“, schluchzte Lutz. Mit tränenerstickter Stimme gestand er: „Was ich schon vielen Tieren angetan habe …“

„Ja, damit ist der Herr Jesus, der auch die Tiere geschaffen hat und sie lieb hat, bestimmt nie einverstanden gewesen.“ Monika stand an der Krankenzimmertür mit einer großen Schachtel Pralinen. Sie schaute aber nicht böse.

„Monika, du? Du besuchst mich?“ sagte Lutz.

„Nein, nicht ich allein!“ Da stürmten auf einmal 20 Jungscharler durch die Tür herein, daß es der Krankenschwester fast schwindelig wurde. Sie wünschten Lutz „Gute Besserung“ in „allem“ und sangen ihm ein ideales „Tier-Lied“: „Sei ein lebend’ger Fisch, schwimme doch gegen den Strom …“ Lutz war gerührt.

„Daß gerade ihr mich besucht.“

„Wir haben dir was mitgebracht“, rief einer der Jungen. Und er packte aus einer riesen Einkaufstasche vorsichtig ein ganz kleines Kätzchen aus. Ausnahmsweise durfte Lutz das Kätzchen streicheln.

„So was Liebes“, meinte er. „Darf ich zu euch in die Jungschar kommen, damit ich von Gott und euch noch mehr lerne, wie man mit Tieren umgeht?“

„Ist das ’ne Frage: klar doch!“ antwortete Jörg von der Gruppe.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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