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„Katrin, dreh’ nicht durch!“

„Das ist der heißeste Typ des Jahrhunderts!“ Bianca Keppeler schwärmte mit leuchtenden Augen, als sie verträumt mit ihrer Freundin in einem kleinen Straßenkaffee in Konstanz mit Blick auf den Bodensee bei einem Milchshake saß.

„Ach was – meiner ist der irrigste Supermann. Schau dir doch seine Haare an, sein Lächeln, sein …“ schwärmte Katrin Röhm, die gerade genüßlich ein Bananensplit-Eis löffelte. Bianca und Katrin waren „hin und weg“, als sie sich über ihre Klassenmitschüler Dieter und Kelly unterhielten.

„Ich würde mit Kelly Pferde stehlen gehen“, mutmaßte Katrin.

„Och, du, übertreib’s doch nicht so, Katrin“, bemerkte Bianca schelmisch.

Einige Tage später liefen die beiden Mädchen die Hafenstraße entlang, als Katrin plötzlich hinter einem ehemaligen verfallenen Grenzhaus zur Schweiz Stimmen hörte.

„Dich mach’ ich fertig und hau’ dich windelweich, wenn du nicht bis 16 Uhr die Mathe-Ergebnisse herausrückst …“ Leise schlichen sich die beiden Mädchen an die Mauerecke des Gebäudes und verfolgten das drohende Gespräch, das ein Junge mit einem anderen Jungen führte. Während die Mädchen erschrocken lauschten, griff jemand plötzlich an die Tasche von Katrin und zerrte sie energisch am Arm.

„Na, ihr dummen Kühe, was macht ihr denn hier?“ Katrin wurde totenbleich – nicht wegen des Ertapptseins oder der schlimmen Worte, nein: Kelly Altmann hielt ihre Mitschülerin Laura im Arm! Eng umschlungen grinsten Kelly und Laura frech die beiden Mädchen an.

„Und … und … was ist mit unserer Freundschaft?“ Mit tränenerstickter Stimme stand Katrin fragend vor Kelly.

„Waaas? Freundschaft? Paah! – Du bist mir doch zu …“

Der Weinkrampf hielt den halben Tag an. Katrin konnte diesen Schock in der Hafenstraße kaum verkraften.

„Ich bin untröstlich!“ stotterte Katrin vor sich hin. Stammelnd saßen Bianca und Katrin in der Sitzecke bei Keppelers.

„So ein affiger, gemeiner, hinterhältiger Kerl“, schimpfte Katrin. Doch Bianca saß betroffen, aber still und aufmerksam dabei.

„Komm, Katrin, komm! Der Junge ist es doch nicht wert, daß die Papiertaschentücher-Industrie wegen uns Überstunden machen muß!“, sagte Bianca. Katrin lachte und weinte zugleich über diese humorvolle Bemerkung.

„Stimmt ja, aber …“, erwiderte Katrin. Frau Keppeler hielt sich bis jetzt vorsichtig in der Küche zurück und wollte sich nicht einmischen. Als aber nach drei Stunden die „Dreherei um sich selbst“ nicht aufhörte, griff sie doch liebevoll ein, während sie auf dem Tablett eine Eisschokolade hereintrug.

„Nein, ich will nicht an euch herummäkeln, doch denkt an das Wort vom letzten Sonntag im Gottesdienst: ‘Es ist gut, auf den Herrn zu vertrauen und sich nicht auf Menschen zu verlassen!’ Nehmt euch doch diesen Satz aus Psalm 118, Vers 8 zu Herzen. Ihr habt euch da einfach an der verkehrten Stelle ‘verschossen’, und tja, mancher Schock ist heilsam, stimmt’s?“ meinte Frau Keppeler. Etwas bockig schaute Katrin hoch, nickte dann aber.

„Und was ist mit Dieter?“ fragte Bianca die Mutter.

„Nun, du kannst diese Sache mit Kelly nicht auf Dieter übertragen. Doch verlaß dich lieber auf den Herrn Jesus, und bete doch dafür, ob er auch der rechte ‘Stern’ in deinem Leben ist.

Bianca und Katrin ließen sich nun doch trösten. Nachdem beide Mädchen die Eisschokolade ausgeschlürft hatten, griffen sie zur Bibel und bemerkten zur Küche, wo die Mutter am Mixer hantierte, lauthals rufend: „Wir wollen von dem „Stern“ lesen, der echt ein Vorbild ist!“

Mutter rief zurück: „Wer ist das denn nun schon wieder?“

Kurz darauf guckte Frau Keppeler die Mädchen in der Sitzecke an und sagte überrascht: „Dieser ‘Stern’ ist der beste Freund – hab’ ich recht?“

„Ja – Jesus Christus hält zu uns“, ergänzten Bianca und Katrin.

„Ach ja, diese Jungs …“, seufzte lächelnd Frau Keppeler und verschwand wieder in der Küche. Recht zufrieden verbrachten die Mädchen die restlichen Minuten des Tages.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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