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In der Höhle des Löwen

„Ist ja total ekelhaft!“ Sabine Schäfer maulte wieder einmal am Essen herum. Die Mädchen und Jungen befanden sich auf einer Freizeit in Niederbayern und saßen gerade bei „Spaghetti bolognese“ zu Mittag. „Bei denen da drin in der Küche läuft ja das Abflussrohr durch, iiih“, rümpfte Sabine mit der Nase. Das Mädchen hatte nur zu meckern. Die Zeit mit der Bibel am Morgen war zu lang, die Spiele zu langweilig, die Leiter zu streng, die anderen Kinder zu doof. Alles war in ihren Augen schrecklich. So isolierte sich Sabine. Nur wenige Kinder spielten mit ihr. Kaum einer sprach sie an, weil derjenige befürchten musste, dass sie ihm „an den Hals sprang“ vor Wut. Die Leiter kamen immer wieder zusammen, um für sie zu beten. Es musste doch eine Änderung geschehen.

„Hat sie wohl irgendein Erlebnis in ihrem Leben durchgemacht, das bei ihr dann solche Zornesausbrüche zur Folge hat?“, fragte sich der Leiter, Ernst Gabler. Man wusste keinen Rat. Die Atmosphäre unter den Teilnehmern der Freizeit verschlechterte sich zunehmens, weil Sabine in der Zwischenzeit ihre Zimmernachbarinnen in ihr bösartiges Getue mit hineinriss. Die so schön begonnene Freizeit wurde ein Alptraum für die Mitarbeiter.

„Mir ist es entweder eiskalt oder ich bekomme Schweißausbrüche, wenn ich nachts aufwache“, sagte Herr Lenz, ein weiterer Mitarbeiter.

„Will der Feind Gottes, der Satan, unsere Freizeit zerstören?“, fragte Herr Gabler. Die meisten fröhlichen Mitarbeiter wurden durch die Lage verzagt und mutlos. Doch im Team gab es eine kluge Frau: Renate Steffens. Sie lebte seit einer Jungscharfreizeit im Allgäu ganz mit Jesus. An einem Mitarbeiterabend berichetete sie ihren Freunden, wie sehr sie früher den Leitern das Leben schwer machte.

„Ständig bedrohte ich die Mitarbeiter mit Selbstmord oder mit der Drohung, dass eine Bluttat auf der Freizeit geschehen würde“, sagte sie angestrengt mit langsamen, beschwerten Worten. „Doch das tut mir heute noch Leid, wie viel Sorgen ich diesen Helfern Gottes machte. Durch das Gebet der fleißigen Mitarbeiter wurde mein Stolz und mein brennender Zorn gebremst“, ergänzte sie. „Ich werde mit dem Mädchen und den anderen reden“, versprach diese Frau. Am Abend kochte das aufgehetzte Zimmer voller Überlegenheit fast über. Mit zittrigen Knien, aber mit dem Mut, den sie von Jesus erhielt, betrat Frau Steffens die „Höhle des Löwen“. „Sabine – ihr alle: Darf ich euch ein paar Bilder von der Zeit zeigen, wo ich selbst auf einer Jungscharfreizeit war?“, bat sie.

„Phh, was wird das wohl für ein Ungewitterfoto sein?“, spöttelte Sabine. Die anderen kicherten zustimmend.

Renate zeigte den Mädchen die Fotos und fragte: „Könnt ihr zwischen Foto 1 und Foto 2 einen Unterschied ausmachen? Nein …? Na, dann sage ich’s euch: Foto 1 – da war ich kein Christ, Foto 2 – das war nach jenem Vormittag, an dem ich ein „brennender“ Christ wurde, ich wurde Feuer und Flamme für Jesus!“ Und dann erzählte Renate ihre Lebensgeschichte. Der Abend wurde lang. Die Nacht noch länger. Denn es gab Gespräche, die das Leben einiger veränderte. Und auch Sabine erlebte ihre Hinkehr zu Christus. Das hätte keiner für möglich gehalten, dass diese freche, überhebliche Göre eine Christin wurde. Mit der großen Bitte nach Verschwiegenheit packte Sabine auch den ganzen „Mist“ ihres kurzen, dreizehnjährigen Lebens aus. Und diese Aufräumaktion war eine „Einkehr-Aktion“ Gottes. Sabine erlebte Gott durch die beherzten Jesus-Gespräche der Leiterin Renate und der „heißen und intensiven“ Gebete der Mitarbeiter. Ja, so kann’s jedem gehen, der es ebenso mit Jesus Christus wagt!

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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