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Im falschen Zug

„Jetzt blicke ich gar nicht mehr durch!“ Maximilian Holler stand mutterseelenallein auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Ferien! Endlich die heiß ersehnten Ferientage! Es sollte von Frankfurt zur Oma nach Kassel gehen – und das Zugfahren begeisterte ihn. Seine Mutter verabschiedete den Dreizehnjährigen am Hauptbahnhof in Frankfurt.

„Es wird eine problemfreie Fahrt sein: Einsteigen und in Kassel wieder aussteigen – so einfach geht’s bei der Deutschen Bahn“, sagte sie. „Und Oma Emma wartet an der Bahnsteigkante! Pass nur auf, mit niemand mitgehen und nirgends aussteigen, ja?“ Die Mutter bat ihren Sohn, er solle unbedingt den Anweisungen des Zugpersonals folgen und auf seinem Platz bleiben.

„Sag mal, Mutti, wie alt bin ich denn, dass du mir alles fünfmal sagst?“, ärgerte sich Maxi. Mutter schaute auf die Uhr.

„Ach, ich muss schnell noch in die Bank – also: Gleis 9, hörst du?“

„Ja, ja, ja!“, erwiderte Maxi gelangweilt. Maxi stromerte noch ein wenig im Hallengelände herum, schaute jene Werbung und jene Information an. „11.50 Uhr geht der Zug von Gleis 9 ab – uii – jetzt aber hinüber“, dachte er. Doch das Unwahrscheinliche passierte. Maxi stieg statt auf Gleis 9 auf Gleis 8 in den Zug nach Zürich über Stuttgart ein. Er bemerkte nichts. Er fühlte sich sicher wie in seinem Zimmer. Was sollte schon schief gehen? Das Zugpersonal lächelte ihn an, er fand einen traumhaften Fensterplatz in Wagen 4 und hatte genug zu lesen dabei. „Nochmals schnell nachsehen – mmh ja, das ist sie, die Fahrkarte.“ Maxi lehnte sich zurück. Er machte es sich bequem und vertiefte sich schon in ein Buch. Dabei überhörte er die Ansage des Zuges. „Jetzt ist es schon 12.03 Uhr – wann fährt der denn los?“ fragte er sich. Doch dann tat’s einen kurzen Ruck und die Fahrt ging gemächlich los. Gegenüber von ihm saßen drei Chinesen, die in Deutschland Urlaub machten. Neben ihm eine ältere Frau mit einem winzigen Hündchen. Die Leute schauten alle so vor sich hin. Einer arbeitete an seinem Computer; andere überflogen die Zeitung. Ab und zu schaute Maxi hoch und sah, wie Bäume, Häuser, Landschaften sich abwechselten.

Plötzlich hörte er: „Hier spricht der Zugleitung, in wenigen Minuten erreichen wir Heidelberg.“

„Ach schon? Komisch, Heidelberg …“ Nachdenken. Doch dann ging die Hektik los. „Heeeeeiiiideeelbeerg? Das ist doch die falsche Richtung, das ist verkehrt!“, stöhnte er mit einem lauten, aufgeregten Schrei. Er rannte von Zugabteil zu Zugabteil, bis er jemand vom Zugpersonal fragte: „Verzeihen sie, dieser Zug hält wohl nicht in Kassel …?“

„Du liebes bisschen, junger Mann, der Zug fährt nach Zürich über Stuttgart – da bist du wohl ein wenig falsch! Maxis Herz schlug bis zum Hals. Was sollte er jetzt tun? Bis Stuttgart musste er wohl fahren und dann …? So stand er nun in Stuttgart.

„Entschuldigung, wo geht’s hier zur Bahninformation?“, fragte er einen Passanten. Doch der verstand ihn nicht richtig.

„Wasch moinscht du jungs Bürschle? I versteh nur schwäbisch, lernsch des mol erst reascht, bevor du mi frogscht!“ Maxi verstand auf dem Bahnhof nur Bahnhof! Er kam sich vor wie im schönsten Ausland. So suchte er nun in seiner Verzweiflung eine abgelegene Bank und betete. Das konnte er, denn mit Gott redete Maximilian nicht nur, wenn’s einen Notfall gab. Er vertraute diesem lebendigen Herrn. Doch auch an seinen Nerven kitzelte merklich die Unsicherheit.

„Bitte, lieber Herr Jesus, bring mich wieder gut zurück, bitte zeig mir einen Menschen, der mir helfen kann.“ Unsicher schlenderte er zum Schild: Bahnhofsmission. Und dort in der Stelle gab es einen Menschen, der ihm nicht nur zuhörte, sondern selbst von Herzen Jesus Christus gehörte. Mit Volldampf fuhr Maxi eine Stunde später wieder zurück nach Frankfurt – einfach nach Hause! Wie gut das tat, heimzukommen!

„Tja, da siehst du’s wieder“, sagte Maximilians Mutter, „wie wichtig ist es, dass man in den richtigen Zug und nicht nur in irgendeinen einsteigt“, betonte sie. „So will Jesus auch unser Leben gestalten. Er ist das Leben und will, dass ich mich nach seinem guten Fahrplan, der Bibel, ausrichte“, meinte sie.

Maxi nickte zustimmend. Er hat es praktisch erlebt. An nächsten Tag ging’s dann „ab nach Kassel“ zur Oma in die Ferien – aber im richtigen Zug.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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