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Frisch verliebt!

„Das alles gehört meinem Vater!“ Frank Lusemann stieg aus dem Segelschiff aus, mit dem er und 17 andere Teilnehmer einer Ostseefreizeit herumgondelten. Lautstark stand er nun an einem Hafendock der Insel Fünen in Dänemark und machte seinem Herzen „Luft“. Wenige Tage vorher wurde er nämlich durch die täglichen Bibelarbeiten von Thorsten, dem Freizeitleiter, innerlich so angesprochen, dass er sein Leben daraufhin dem Herrn Jesus Christus übergab. Nun war er ein Kind Gottes durch den Glauben an Jesus Christus geworden. Darüber war Frank so glücklich, dass er die „ganze Welt“ umarmen wollte. Wie selbstverständlich sprach er nun über Gott. Für ihn war es ab sofort ganz natürlich, über Jesus zu reden. Er wunderte sich deshalb, dass ihn manche ganz komisch anblickten und sich seiner Äußerungen wegen schämten.

„Wie kann der so großprotzig herumspucken!“, meinte Hardy.

„Dieses aufdringliche Getue, ts ts ts“, hüstelte Manfred Turban künstlich.

Aber Frank ließ sich nicht beirren. Dieser Vater, von dem er sprach, dieser „himmlische Vater“ war nun Gott, und er wusste, dass dieser Gott alles geschaffen hatte: Himmel, die Erde, die Tiere, die Luft und … den schönen Urlaub mit der Segelfreizeit rund um die Inseln.

„Seine fromme Art kann ich nun gar nicht ab“, meinte Manfred und stichelte unter den Teilnehmern.

„Jetzt lasst ihn doch mal von Jesus reden“, motzte Nathalie mutig zurück. „Der ist halt frisch verliebt“, meinte sie mit glänzenden, schelmischen Augen. „Verliebt in Jesus!“, setzte sie hinzu.

Manfred Turban war überrascht. „Der – und verliebt in Gott?“ Nachdenklich warf er kleine Kieselsteine in die plätschernden Wellen an der Hafenmauer. Diese Worte von Nathalie trafen ihn messerscharf, denn bei ihm selbst war seit zwei Jahren nichts mehr los, was seinen Glauben betraf. Verträumt blickte er in Gedanken zurück. Damals erlebte er doch Ähnliches wie Frank. Bei Vortragsabenden in einem Missionszelt hatte sich Manfred für ein Leben mit Jesus Christus entschieden. Wie fröhlich und glücklich war er daraufhin. Er las anfangs eifrig die Bibel. Er konnte es gar nicht erwarten, freitags in die Jungschar zu kommen. Jeden Morgen und jeden Abend betete er. Doch dann ereilte ihn der „raue“ Alltag. Seine Freunde machten sich über ihn lustig. Sie schenkten ihm ein luftig-leichtes Heftchen mit dummen Sprüchen. Statt der täglichen Bibellese las er täglich das Witzheftchen. Statt des Gute-Nacht-Gebets kam der „Gute-Nacht-Blödmann-Film“!

Der Glaube wurde allmählich sehr locker, leicht und lässig gehandhabt. Nach einiger Zeit sagten ihm seine Freunde: „So, Manfred, jetzt biste endlich wieder der Alte!“

Darüber erschrak er. Der alte Mensch von vorher? So wollte er doch nicht wieder sein … Aber Manfred konnte aus diesem Fahrwasser nicht heraus. Sein Glaube war „verwässert“ worden. Wie in einem Fluss wurde seine Freude mit weggeschwemmt. Seine Freunde wollte er eben auch nicht „vergraulen“ und verlieren. Mittlerweile gewöhnte er sich wieder an den „alten“ Trott von früher. Tief im Herzen jedoch konnte er Jesu Liebe nicht abschütteln. Ungläubige Freunde, bestimmte Filme und Musik, eine gewisse Sorte von Heftchen – das alles trug zum Verschütten des Glaubens bei.

Doch nun geschah Gottes „Rückruf-Aktion“. Er lernte Frank Lusemann kennen. Manfred beobachtete das Geschehen, wie Jesus diesen Frank zum Glauben rief. Manfred wehrte sich mit Neid gegen Franks Erlebnis mit Gott. Doch im Stillen arbeitete Gottes Heiliger Geist.

„Ach, das war bei mir auch so“, seufzte er in der prallen Sonne am Ufer. Manfred erinnerte sich an diese wunderbaren Tage, wo er ebenso „frisch verliebt“ war in Gott. Sollte es Frank ebenso wie ihm gehen? Anfangs brennend und nach einer kurzen Zeit lau und träge? Manfred schoss plötzlich von seinem Uferplatz hoch wie eine Langstreckenrakete der NASA. „Alarm! Alarm! Alarm!“, schrie er in Richtung Segelschiff. Die halbe Teilnehmerschaft eilte zu Manfred.

„Was hast du, was ist passiert?“, rief Thorsten, der Leiter der „Inselexpedition“.

„Es ist alarmierend, was ich getan habe.“ Die Mädchen und Jungen dachten an Banküberfall oder Mord.

„Hast du einen Selbstmordversuch gemacht?“, fragte hastig ein Mädchen.

„Ja, fast so ähnlich“, antwortete Manfred und berichtete ihnen von seinen Gedanken. „Ja, Nathalie, ich möchte mit dem heutigen Tag meine erste große Liebe auffrischen“, meinte er nun lächelnd. Nathalie wurde etwas rot dabei, als er sie ansah. „Ich will Jesus wieder so lieb haben wie am ersten Tag, als ich ihn kennen lernte“, fügte er hinzu.

Frank Lusemann fielen fast die Ohrmuscheln heraus, als er den Mini-Spötter Manfred jetzt hörte.

„Jetzt haben wir schon zwei Verliebte auf der Insel – das kann ja romantisch werden“, sagte Nathalie grinsend. Frank und Manfred vereinbarten, sich in Zukunft zum Bibellesen und Gebet zu treffen, denn sie wohnten nur eine Ortschaft weit auseinander.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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