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Es geschah am Waldrand

„Immer auf Gott zu vertrauen, immer auf …“ Simone klatschte zusammen mit den anderen der Mädchenjungschar von Waldenbuch und selbstverständlich mit Berti, ihrer besten Freundin, übermütig an der falschen Stelle in die Hand. „Will die Sorge nicht von dir weichen, will die Einsamkeit dich beschleichen …“ Lauthals und doch uninteressiert, die Jungscharleiterin ärgernd, wurde das schöne Lied sogar brüllend und frech-grinsend gesungen. Nun: Man sang das Lied tatsächlich oft. Um den Inhalt des Textes kümmerte man sich nicht. Hauptsache gesungen und der Leiterin auf den Nerven herumgetanzt. Doch es sollte anders kommen …

„Gehst du mit ins Hallenbad nach Weil im Schönbuch?“ fragte Simone Berti.

„Wie – meinst du zu Fuß?“

„Ach komm, wir haben doch einen schönen Novembertag und da durch den Wald, am Wassersammelbecken vorbei, da sind wir bald da!“ Kurz entschlossen, zwei Badetaschen unter den Arm geklemmt, nahmen sie Kurs auf Weil zu. Sie schlenderten an der Straße und am Waldsportpfad entlang.

„Komm, eine kurze Strecke am Waldrand …“, sagte Simone. Da geschah es. Die Wegstrecke war gesäumt mit verfaulten Blättern. Dabei übersahen sie einen offenen Wasserschacht, dessen Deckel nicht richtig geschlossen und durch Laub überdeckt war. Und Berti traf’s. Ein kurzer Schrei. Berti stürzte ein und klemmte zwei Meter tief in einem engen Schacht.

„Beeeerrrtiii!“ Simone erschrak fast zu Tode. „Berti, so antworte doch!“ Doch es war still. „Warte Berti, ich hole Hilfe, ganz schnell Hilfe!“ Simone ließ die Badetaschen liegen und rannte in einem Eiltempo in die nächste Siedlung. Berti kam zu sich. Sie hatte sich nicht verletzt, aber der Schreck und Schock versetzte sie in eine kurze Ohnmacht.

„Simone?“ Wo ist Simone? Nicht lauthals, sondern kleinlaut betete Berti: „Herr Jesus, hilf mir doch, bitte, bitte, bitte hilf mir doch!“ Dann rief sie: „Simooone, wo bist duuu?“ Keine Antwort. Nur ein zuckendes Knacksen von Ästen im Wald und ein sanfter Luftzug durch die Tannen. Berti schaute hilflos nach oben und sah die hocherhobenen Bäume und den Himmel.

„Immer auf Gott zu vertrauen …“ Leise betete sie im Ernst ihrer Lage: „Herr Jesus, ich mach es, wie viele, und ich gebe es zu: Ich singe Lieder, ohne sie wirklich ernstzunehmen. Hilf bitte! … Verzeihe mir. Oh, Herr Jesus, ich habe Angst.“ Tränen liefen ihr übers Gesicht. Sorge und Einsamkeit, wie in diesem Lied getextet, gingen ihr durch den Kopf. Sie konnte in diesen Momenten tatsächlich alle Strophen aus lauter Angst vor sich her aufsagen.

Die halbe Stunde kamen ihr vor wie eine Ewigkeit, als Bauer Reinhardt vom Aussiedlerhof kam und ihr aus dem Loch heraushalf. Simone und Berti brauchte man nicht mehr zu belehren. Diese göttliche „Natur-Wald-Lektion“ saß. Dem Herrn Jesus neu dankbar und mit aufrichtigem Ernst saßen sie in der Jungschar.

Frau Denkler, die Leiterin, staunte und fragte die beiden Mädchen: „Ist was? Ihr singt ja heute ernsthaft mit?“

„Es war was“, antwortete Simone.

„Ja, ja“, ergänzte Berti aus vollem Munde. Aber die Stimme war nicht mehr übermütig.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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