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Elke in Gefahr

„Du, Petra, wenn du’s niemand sagst, ich werde heute Abend mit Peter im Fernsehen das Video ‘Heiße Nächte in Florida’ ansehen.“

Petra Frey schaute ganz komisch. „Waaas, Elke? Das guckst du an? Nachts um Viertel vor zwölf?“

„Ach, das merkt doch keiner – und zu meiner Bude gibt’s einen extra Eingang hinter dem Haus.“

„Ja, bist du denn wahnsinnig? Du läßt Peter mit zu dir?“

„Ach, jetzt hab’ dich doch nicht so. Sei nicht so altmodisch. Da ist doch nichts zwischen uns und sowieso … wir kommen ja nur gut aus miteinander und … Frank und Steffi tun das regelmäßig. Meinst du, die Eltern merken was?“

„Aber Elke, ich kenne dich fast nicht mehr. Vor ein paar Monaten sagtest du: ‘Ich pfeif’ auf alle doofen Jungs.“

„Na, das sagte ich eben vor Monaten. Aber was kümmert mich mein Geschwätz von damals!“

Petra war ganz verdattert. Wußte sie denn nicht mehr, daß in der Jungscharfreizeit in Friolzheim astklar gesagt wurde, wie Gott sich Liebe, Freundschaft und Bindungen zwischen Mädchen und Jungen vorstellte? Petra wagte es, Elke an die Freizeit zu erinnern.

„Weshalb kommst du mir 100mal im halben Jahr mit dem alten Krempel? Mit wem ich gehe, bestimme ich selbst. Bin ja schließlich zwölf, und zwar volle zwölf Jahre, rundum!“

Petra hatte es nicht leicht mit Elke. Trotzdem fand sie Elke nett und wollte ihr irgendwie helfen. Sollte sie ihr ein christliches Buch empfehlen? Was wäre, wenn … „Ich hab’s!“ Petra verabschiedete sich von Elke und meinte, sie müßte über alles mal gründlich nachdenken.

„Denke nur gründlich nach und verbeiß’ dich nicht.“

Hastig eilte Petra nach Hause ans Telefon und rief ihre Jungscharleiterin an: „Alarm, Alarmstufe 1!“

„Was meinst du damit, Petra?“ Petra erklärte Susanne Lohrmann, der Jungscharleiterin, alles.

„Na, dann wollen wir uns was einfallen lassen!“ antwortete sie mit krächzender Telefonstimme.

Nachmittags, 16 Uhr, Wohnstube bei Frau Lohrmann in der Bachstraße in Neuenhaus bei Nürtingen. Vier Jungscharleiterinnen hatte Petra mobil gemacht, und die Beratung dauerte ganze zwei Stunden.

„Noch drei Stunden und zwanzig Minuten bis zum Countdown“, bemerkte Petra. Ihr Plan war perfekt, doch menschlich auch sehr risikoreich.

23.20 Uhr. Vor dem Haus in der Hauptstraße patrouillierten die Jungscharleiterinnen in Feuerwehranzügen vom letzten Maskenfest der Jungschar. Plötzlich kam Peter heimlich an.

„Hey, was ist denn hier los“, fragte er erstaunt.

„Heiß! Gefährlich! Brandgefahr!“

Elke kam auch dazu. „Ach, ist was passiert?“ fragte sie die dunklen Gestalten in den Feuerwehrspielanzügen.

„Bald könnte was passieren, die Gefahr ist groß!“ meinte eine Jungscharleiterin.

„Bin ich blöd, es brennt doch nirgends“, sagte Elke.

„Doch – in diesem Haus“, sagte Frau Lohrmann.

„In unserem Haus, häää?“ Elke und Peter guckten wie ein Pferd von hinten.

„Stecken Sie sich nicht an, es könnte gefährlich werden, aber wenn Sie rechtzeitig aufpassen, geschieht Ihnen nichts“, sagte eine dritte verkleidete Leiterin. Die Idee war perfekt. Die Überraschung war perfekt. Plötzlich tauchte Petra auf.

„Ja, ja, ja … was … soll … denn … aha – du steckst dahinter, spinnst du?“

„Aber Elke, merkst du denn nicht: So will uns Gott auch warnen, wenn wir nicht gebrannte Kinder werden wollen – in unserem Alter!“

„Du, du, du bist sowas von ekelig verderberisch …“ Peter rannte heim, und Elke fauchte um die Ecke mit einer Mordswut im Bauch.

Der nächste Morgen konnte nichts Gutes bringen. „Jetzt gibt’s die größte Abreibung des Jahrhunderts“, dachte Petra. Etwas verschämt und total aufgeregt betrat Petra den Schulhof. Von weitem sah sie Elke. „Au weh, was gibt’s wohl jetzt?“

„Du bist die allerkomischste und verrückteste Freundin, die ich habe“, sagte Elke und … lächelte. „Du mußt mich entweder sehr liebhaben oder eifersüchtig sein oder es echt ernst meinen mit deinem Jesus!“

Petra schaute verschmitzt. „Die erste und letzte Sache stimmt absolut!“

„Berühren vor der Ehe verboten! Meinst du das?“ fragte Elke.

„Stimmt! – Eben jetzt noch nicht, doch später dann, wenn es Gott will!“

„Du redest wie meine Mutter!“ sagte Elke.

„Ja, mein kleines Kindchen!“ antwortete Petra mit schelmischem Gesicht. Mit einem Grinsen quer durchs Gesicht stiefelten beide hurtig ins Klassenzimmer.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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