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Eine Trauminsel mit zwei Meter Durchmesser

„Thooomaaas Huuumeeel“, schrie es schrill aus etlicher Entfernung morgens um halb acht. Johannes Bürker und Thomas Hummel aus Bad Urach drehten immer die gleichen Kurven zusammen zur Schule. „Na, Thomas, was machst du denn dieses Jahr in den Sommerferien?“ fragte Johannes spitzbübisch, denn er wußte, daß Thomas nichts „aufzubieten“ hatte,  was  Urlaubsort  und   -entfernung betraf.

„Och, wie immer. Eine Woche zu Onkel Eberhard in die Schützenstraße. Dort helfe ich bei der Schlosserei Gutbrod und schwinge täglich den Besen … und dann eine Woche noch zu meinem Onkel Bubeck ins Aichtal. Das wär’s dann schon.“ Überheblich kniff sich Johannes an sein Kinn.

„Tjaaaa … wir machen dieses Jahr eine Mittelmeerkreuzfahrt. Zuerst geht’s mit dem Zug, dann mit dem Schiff. Anschließend machen wir eine Art Safari, und mit dem Flugzeug geht es dann …“

„Mensch, hör doch auf. Nur weil ihr mehr Geld habt als wir“, knirschte Thomas nervös zu Johannes hinüber. Während sie so am neuen Schloß vorbeitrippelten, reihte sich Emmanuelle Wilhelm vom Sanatoriumsweg mit ein.

„Was habt ihr denn für eifrige, lautstarke Gefechte?“ fragte sie.

„Es geht Jo wieder um seine exotischen Urlaubsträume“, sagte Thomas spöttisch.

„Und du, was machst du?“ fragte Johannes. „Was machst du mit deinen kostbaren Minütchen?“

„Ja – da habe ich einen Geheimtip: Ich gehe an einen Ort, der ist traumhafter als viele andere und doch wahr. Dort ist es fetzig und still; da ist was los und doch gibt’s Stille. Da lernen wir sogar, weil es jeder will. Und die Leutchen, die mitgehen, sind einfach super …“

„Hey, für welche karibische Trauminsel wirbst du denn?“ wollten die beiden Jungen wissen.

„Ach, stimmt. Ganz in der Nähe gibt es eine Insel mitten im See mit einem Durchmesser von zwei Metern.“

„Mensch, du machst es spannend – wo geht’s jetzt hin, auf … rede …!“ befahlen Johannes und Thomas.

„Ich gehe zur Ferienbibelschule auf den Schmalenberg mit 50 anderen Mädchen und Jungen.“

„Ist das nicht totlangweilig?“ bemerkten die Jungen.

„Keineswegs“, antwortete Emmanuelle. „Dort ist es richtig schön. Wir hören jeden Morgen spannende Geschichten aus der Bibel und hilfreiche Beispiele. Und dann pirschen wir nachmittags durch eine Bilderbuchlandschaft. Und wir planschen im Ebnisee, rutschen auf der Sommerbobbahn, sehen spannende Filme an, erwarten tolle Überraschungsgäste, tappen bei einer Nachtwanderung durch die Pampa, und … die Wasserschlacht ist einmalig …“

„Uii, du machst uns aber den Mund wässrig. Ist es wirklich so toll?“ fragte Thomas.

„Viel besser, als ich es berichten kann.“

„Ähem, äh …“ Johannes brachte nichts mehr heraus.

„Die Kilometer bringen’s nicht unbedingt. Was man mit der Zeit macht – das ist es“, betonte Emmanuelle. Johannes blickte nachdenkend zu Boden.

„Stimmt … ob wohl jemand mit mir auf dem Mittelmeerkreuzer im Wald herumpirscht und ’ne Nachtwanderung macht?“

„Geht doch gar nicht“, zischte Thomas.

„Siehste!“ lächelte Emmanuelle. „Und vom besten Buch der Welt, wie unser Jungscharleiter Jens Auer sagt, hören wir vielleicht auch nichts“, meinte Thomas.

„Nun, Gott ist auch dort bei euch!“ sagte Emmanuelle.

„Aber nächstes Jahr sind wir dabei!“ Beide Jungen nickten … „Ob dann auch Frank, Michael und Wolfgang mitkönnten?“

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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