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Einbruch in der Bismarckstraße

„Du, Schatz, der Vorhang wackelt!“ Frau Bärle erschrak. „Heinz, so glaube es mir doch, da hat sich was in unserem Wohnzimmer bewegt“, erklärte sie mit ernster Stimme. Heinz und Margarete Bärle fuhren mit ihrem VW-Passat langsam die Bismarckstraße hoch, da man in der 30-km-Zone ja angepasst fahren muss. Sie kamen vom Urlaub. Drei Wochen Sonne, Faulenzen, Erholung. Nun waren sie entspannt und erholt zurückgekommen. Doch die herrlichen Tage wurden durch jene Minuten des Schreckens abgelöst. Als Leiter einer christlichen Gemeinde war in ihrem Haus dort in der Bismarckstraße auch ein kleiner Versammlungssaal und ein Jugendraum im Keller. Immer herrschte Betrieb wie in einem Taubenschlag. Viele Menschen kamen zu Pastor Bärle und seiner Familie und suchten Rat und Hilfe. In diesen Ferien durften sie endlich nach vielen Monaten Arbeit einmal ein Stück „abschalten“ und Zeit für sich genießen. Doch der Tag der Rückreise brachte eine große Aufregung.

„Heinz“, zischte Frau Bärle, „schau doch mal hin“, bat sie ihren Mann, der das nicht begreifen wollte. Heinz Bärle blickte nach oben. Tatsächlich! Hände bewegten vorsichtig den Vorhang. Ein Gesicht war nicht erkennbar.

„Frau, schnell, geh zu Nachbar Hoffmann, der soll kommen. Herr Bärle drehte den Schlüssel leise um und trat in den Hausgang. Das Herz klopfte bis zum Hals. Noch nie hatte er es mit einem Einbrecher zu tun gehabt. Die Angst ging bis in die Knie. Er schnappte einen herumliegenden Kleiderbügel an der Garderobe und hörte ein Knacken, das vom oberen Zimmer kam. Stufe um Stufe kletterte Heinz Bärle wie in einem Kriminalfilm hoch, den Kleiderbügel als Schlagstock im Anschlag.

„Lieber Herr Jesus, hilf mir“, betete er. Ihm wurde es immer mulmiger. Der Nachbar war immer noch nicht da. Kurz entschlossen drehte Herr Bärle um, rannte vor das Haus und rief nach seiner Frau: „Margarete, wann kommt denn endlich Herr Hoffmann?“ Währenddessen huschte der Dieb vom zweiten Stock in den Keller, als er merkte, dass sich Herr Bärle außerhalb des Hauses befand.

„Oh, Verzeihung, ich musste noch eine Hose anziehen“, brummte Herr Hoffmann. So waren sie zu zweit. Der Mut stieg. Was wird jetzt passieren? Herr Hoffmann begab sich nach unten, während Herr Bärle wieder die Treppen hochging.

„Iiiiich haaaabe iiihn“, schrie Herr Hoffmann aus dem Keller, wo die Öltanks ihren Platz hatten. „Ich habe ihn zwischen der Tür eingeklemmt, der kommt nicht mehr weg“, rief der hilfsbereite Nachbar in hallendem Tonfall. Wie ein Düsenjäger stürzte Heinz Bärle die 41 Stufen nach unten und rannte in die unteren Räume.

Eingeklemmt von den starken Armen des Nachbarn stand nun Willi Menser vor Heinz Bärle. Willi war der „Tunichtgut“ des Dorfes. „Klau-Willi, Klau-Willi“, riefen die Kinder auf der Straße. Tatsächlich war er eine diebische Elster – egal, ob es Fahrräder, Ravioli-Dosen oder Musik-CDs waren. Die Eltern hatten ihn völlig vernachlässigt. Freunde hatte er keine. Bei einem Unfall war ihm zu allem Elend heißes Wasser über das Gesicht gebrüht worden, sodass er starke Narben im Gesicht trug. Willi war eine grausige Kreatur. Ausgebrannt, ein Versager auf allen Gebieten. Ein hoffnungsloser Fall. Doch seine Großmutter war eine Beterin. Willi wusste es.

„Wenn ich mal im Dreck sitze, dann komme ich nicht mehr heraus“, versteifte er sich immer in seinen Reden, „Omas Beterei hat doch keinen Wert, ich versinke im Abgrund.“ Nun wurde er im Haus des Pastors entdeckt. Pastor Bärle kannte Willi, da er ab und zu auch in den Jugendstunden aufgetaucht war.

„Ich wollte“, stotterte er, „ich wollte nur etwas Kleines essen und mal hier pennen“, seufzte er unter dem Schock, erkannt und ertappt worden zu sein. Pastor Bärle merkte, wie sein Herz zu zerreißen schien. Sein Herz pumpte sämtliches Blut aus den Adern ins Gehirn. Gerade wollte er zu einem agressiven Schlag ansetzen und ihn zusammenschreien, da besann er sich unter der „Bremswirkung“ des Heiligen Geistes.

„Willi, Willi, Willi“, was hast du nur getan?“, bettelte fragend Herr Bärle diesen Siebzehnjährigen um Antwort.

„Ich bin halt in diesem Fahrwasser drin – da komme ich nicht mehr heraus“, entgegnete er.

„Willi, wir gehen nicht zur Polizei, obwohl das der Fall sein müsste – aber wir beten für dich, dass der Herr Jesus Christus dir begegnet“, sagte Herr Bärle.

Willi zog grinsend davon. Nochmals mit einem blauen Auge davongekommen! Doch Willi saß zwei Wochen später im Jugendgefängnis. Ein weiterer Diebstahl im gleichen Ort verhalf dazu. Pastor Bärle und die Gemeinde gingen auf die Knie – und beteten!

„Willi ist in den Augen Gottes kein hoffnungsloser Fall“, predigte Pastor Bärle. Im Jugendgefängnis dachte Willi über sein Leben nach. Er erhielt ein Buch von Pastor Bärle. Gepackt vom Inhalt kam er nicht von dieser Schrift weg. Willi las die Bibelstellen nach und Gottes Macht fing an, sein Leben umzukrempeln. Willi sah die trostlose Gefängniszelle und wollte eigentlich verzagen. Was hatte er schon noch von seinem Leben: Keinen Job, kein Zuhause, kein Garnichts … Doch! Willi sah in seinen Gedanken die Großmutter und Pastor Bärle auf den Knien liegen. Sie beteten für ihn.

„Waaaache, könnte ich mal anrufen?“, rief er dem Gefängnisbeamten zu. Willi Mesner hatte sein Leben diesem Herrn Jesus Christus übergeben. Er bat Jesus um Vergebung seiner Sünde – auch darum, dass er ein Leben ohne ihn, den Herrn, geführt hatte. Die Strafe musste er nach der Untersuchungshaft wohl absitzen, aber aufgrund der Fürsprache des freundlichen Pastors bekam er ein mildes Urteil.

Willi Mesner wurde ein Beispiel für viele Menschen über die wirkliche Machtmöglichkeit Gottes. „Gott verändert – er kann das“, sagte er in einem Bericht im Gottesdienst zu späterer Zeit. So war der Einbruch in der Bismarckstraße ein Aufbruch zum Beginn eines neuen Lebens.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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