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Ein Blitz am Felsenmeer

„Holehadihüüü!“ Die Bergtruppe von Herrn Kaiser hatte schon einige Kilometer in Richtung Steffisalpe zurückgelegt. In Oberlech am Arlberg war der Wanderverein „Froher Spatz“ frühmorgens gestartet.

„Mindestens 42 Kilometer wandern wir heute“, sagte ein Wandervogel der Gruppe.

„Karl-Otto, du verwechselst wohl 42 mit 24!“, erwiderte Herr Kaiser lächelnd. So stapfte die Gruppe dann von Hügel zu Hügel und blickte immer wieder ehrfürchtig in die tiefe Schlucht.

„Da sage ich nur Halleluja, ja, Halleluja sog iiii!“ Überheblich spöttelte ein Mitwanderer, als er die Bergwelt betrachtete. Etliche mimten ihn nach: „Holleluja, Hooolelujoooo!“

Unter den Wanderern befand sich Hans Ellert. Hans war Christ. Ihn stimmte das sehr traurig, was hier vorging. Er wollte seinen Eltern, die auch dabei waren, durch sein Mitwandern eine Freude bereiten. Ihm tat es aber schrecklich weh, wenn er solche Spottworte hören musste und heilige Worte der Bibel verulkt wurden.Gottes Namen verunehren? Auf der ganzen Tour des Wanderclubs verirrten sich nämlich Männer und Frauen in ein recht ununterbrochenes dümmliches Geschwätz.

„Schnaps, das war sein leeeetztes Woooort, dann truuugen iihn die Englein fooort“, sang „Torkel-Paule“, der immer etwas Weinbrand in einem Fläschchen mittrug. Mal diesen Schlager, mal jenen Witz, mal dieses Geschimpfe, mal jenes Gejohle. Es war ein Trampelpfad des Lächerlichmachens – dieser Weg durch die so herrlichen österreichischen Berge.

Hans aber hatte Jesus sehr lieb. Was sollte er nur gegen diese Schandlieder tun? Jesus wurde veräppelt, die Gemeinde durch den „Kakao gezogen“ und alles, was heilig war, wurde auf die „Schippe“ genommen. Die Stimmung war aufgeheizt am steilen Berghang. Hans überlegte. „Herr Jesus“, betete er, „ich kann doch keinen Krieg am Arlberg mit den Leuten anfangen, zeig mir doch einen Weg!“ Kurze Zeit später schoss es ihm wie ein Blitz in den Kopf: „Statt Lumpenlieder singe ich Jesuslieder!“

Die Bergfreunde keuchten. Der Schweiss tropfte den Leuten von der Stirn ins Gesicht. Die Rucksäche hingen ihnen schwer im Kreuz. Nicht mehr weit zum Gipfel. Plötzlich ging’s los: „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan …“ Hans war im Glück! Er durfte Jubellieder singen, keine Schandlieder – mitten zwischen den engen Wegstufen hinauf am Felsenmeer vorbei. „Gott loben ist unser Amt!“, wiederholte er einen Bibelvers aus dem Neuen Testament ganz laut. „Welch ein Freund ist unser Jesus, o, wie hoch ist er erhöht …“ Hans versuchte, diese schönen Evangeliumslieder nicht als „Schlager“ zu singen, sondern so fröhlich wie möglich zum Lobe Gottes.

„Heijo, wir sind doch nicht in der Kirche“, motzelte Karl-Otto, der unverwüstliche Bergsteiger.

„Alles was atmet, alles was lebt, stimmt  in den Jubel …“, sang Hans unermüdlich weiter. Herr Kaiser merkte den Unmut und die Unruhe der Wandergruppe.

„Der mit seinem frommen Gedudel“, hüstelte Herr Kästle in einer Sekundenpause beim Aufstieg.

„So ein Gelaber hat mir gerade noch gefehlt“, beschwerte sich Torkel-Paule und nippte an seinem Weinbrand. Endlich am Gipfelkreuz angekommen, betrachtete die Gruppe die herrliche Fernsicht.

„Blauu, blauu, blauuu blüüht der Enziaaan“, sang wieder einer der achtzehn Leute.

Doch da unterbrach ihn Hans schroff. „Ach, das gehört alles meinem Vater im Himmel – auch der blaue Enzian“, bemerkte er.

„Wieso jetzt das, spinnst du jetzt, Hänschen?“, meinte Herr Kaiser.

„Ich spinne nicht. Ich bin ein Kind Gottes und Gott ist mein Vater. Er hat die Welt geschaffen. Ihn werde ich loben, solange ich’s kann“, fügte er hinzu.

„Peinlich, peinlich mit unserem Sohn“, flüsterte Frau Ellert errötet.

„Sollt ich meinem Gott nicht singen, sollt ich ihm nicht dankbar sein, wenn ihr ihn schon mit keinem Wort des Dankes würdigt!“

„Ja, ja. er übertreibt’s halt ein wenig“, verharmloste Herr Ellert das Tun von Hans. Aber Hans wollte nicht übertreiben. Hans zeigte nur „Flagge für Jesus“. Zustimmung hin oder her. Er wagte es, seinen Herrn zu bekennen. Das hatte er sich so vorgenommen. Nicht einer auf dem Berggipfel, der auf seiner Seite war und ihm zustimmte. Doch Hans war im Glück. Er durfte seinem Herrn die Ehre geben, egal ob die Wandervögel dafür oder dagegen waren.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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