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Drei Uhr mittags

Frieder und Lars waren im Ort als die besten Freunde von ganz Haltingen bekannt. Haltingen ist ein kleiner Ort nahe der Schweizer Grenze. Alles, aber auch alles unternahmen sie miteinander: Ausflüge zum Basler Zoo, bahnfahren nach Eimeldingen, Wanderung zur Burg Rötteln, nach Weil am Rhein ins tolle Badeparadies – eben alles, was so echte Freunde miteinander unternehmen. Doch an jenem 12. September wurde die Freundschaft auf die Probe gestellt.

„Du, Lars, da bringen mich keine zehn Pferde hin, da zu der Jungscharstunde. Solche blöden Geschichten und langweiligen Lieder …“ In Haltingen fand eine flotte Kinderwoche von einer Zeltmission statt. Kinder wurden auch in der Schule eingeladen. Frieder wollte hingehen. Sollte er die Einladung annehmen, trotz der miesen Stimmung von Lars? So hatte er seinen besten Freund noch nicht im schlimmsten Fall erlebt.

‘Wie der temperamentvoll dagegen und fast haßerfüllt auf die Einladung reagiert hat!’ dachte Frieder und meinte zu Lars: „Ach, schau doch mal mit rein …“ Doch der Satz wurde abgewürgt.

Die unglaubliche Wut von Lars steigerte sich sogar in eine Drohung an Frieder: „Wenn du den Boden des Zelts betrittst, dann, dann … bin ich ab heute nicht mehr dein Freund. Punkt!“ Frieder war ganz außer sich.

„Lieber Herr Jesus, soll ich echt wegen dir die Freundschaft hopsen lassen?“ Der sonst so aufgeweckte Junge war erschüttert, als wenn er einen Felsbrocken ins Genick bekommen hätte. „Alles aufgeben wegen einem Stündchen mit der Bibel? Kann das wahr sein?“ Die Gedanken kreisten und stocherten in seinem Kopf hin und her. „Lieber Herr Jesus …“ Auf einmal hörte er sein Beten auf, während er angestrengt auf einer Parkbank saß. Plötzlich schoß ihm sein eigenes Gebet durch den Kopf. „Was habe ich gerade gebetet? Herr Jesus?“ Und dann sprach er betend vor sich hin: „Wenn du, Herr Jesus, mein Herr bist, dann willst du auch, daß du zuerst kommst – sonst brauchte ich ja nicht Herr Jesus zu sagen.“

Traurig, aber trotzdem erleichtert schritt er mutig zum Zeltplatz, mittags um 15 Uhr. Auf seinem Fahrrad wartete Lars schon herausfordernd. „Ich warne dich: Er oder … ich!“

Mit angestrengtem Blick und Füßen schwer wie Blei marschierte Frieder an Lars vorbei. Kurz vor dem Zelteingang drehte Frieder seinen Kopf zurück und sagte laut und deutlich: „Er!“ Nach wenigen Sekunden war Frieder im Zelt.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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