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Drei Pfund „Make up“ im Gesicht!

„Mit dem Gesicht würde ich mich nicht auf die Straße trauen!“ Frau Burgstaller, die Handarbeitslehrerin, hatte es wieder einmal auf Lena abgesehen. Diese Frau verlor oft die Beherrschung. Sie konnte Kinder vor allen anderen so blamieren und demütigen, dass einem die Luft wegblieb. Lena war oft dran, weil sie von Geburt an ein leicht entstelltes Gesicht hatte. Sich selbst empfand Frau Burgstaller als die „Miss Universum“ vom Kaiserstuhl im Breisgau. Sie verstand es glänzend, bei jeder unpassenden Gelegenheit ihre „Traumfigur“ aufgeblasen zu präsentieren. Laut eigenen Angaben war sie immer die Allergrößte und Allerschönste mit drei Pfund „make up“ im Gesicht! Doch menschlich war sie als Lehrerin der Realschule eine glatte Niete. Bei den Eltern putzte sich Frau Burgstaller immer „fein heraus“ und tat so wie das „Unschuldslämmlein vom Lande“, die es doch anscheinend immer nur „guuuuut“ mit den Kindern meinte.

Heute war also Lena wieder einmal dran. Wie immer! Verachtend über das narbig-verstellte Gesicht der Elfjährigen, das von Operationen herrührte, triumphierte sie über dieses hilflose Mädchen. Lena konnte nichts, aber auch gar nichts bei jener Lehrerin im Unterricht recht machen. Tagelang mühte sich das Mädchen, in höchster Qualität ein Paar Socken zu stricken. In den Augen von Frau Burgstaller war das, was sie machte, eine Pleite, eine Blamage – obwohl die Strickware wunderschön, ja, meist besser als die der anderen Mädchen war. Lena quälte sich in ihrem Herzen, dieses entwürdigende Verhalten zu verkraften.

„O, Herr Jesus, weshalb muss ich das ertragen?“, fragte sie im Gebet.

„Ach, Lena, Gott wird dich nicht allein lassen“, sagte ihre Mutter tröstend am Mittagstisch. Bekümmert schlürfte Lena an ihrem Apfelsaftglas und schluchzte vor sich hin.

„Ich glaube, Gott hat mich vergessen und er hört keine Gebete mehr“, rief Lena verzagt in Richtung Mutter.

„Das darfst du nicht sagen, mein Mädchen!“ Stirnrunzelnd und doch gütig blickte die herzliche Frau zu Lena und reichte ihr ein Taschentuch. „Warte nur, was Gott noch tun wird“, sagte sie siegessicher zu ihr. Sie behielt Recht. Doch fast ein Jahr musste Lena auf diesen bestimmten Tag warten.

An jenem Junitag war Frau Burgstaller wieder in Hochform. Wassersporttag im Freibad! 33 Grad im Schatten. Wieder einmal die Gelegenheit für Frau Burgstaller, sich wichtig zu machen. Ein Hochnäsigkeitstag! Lena vollzog hinter geräuschvoller Hochmutskulisse ihre Tauchübungen vor den Augen der kritischen Lehrerin.

„Du bist ein einzigartiges Chaos, Lena!“ Frau Burgstaller demütigte Lena und blickte um sich, dass ja nur alle mithörten, was sie von sich gab. Leider fehlte ihr jegliches Empfinden, wie sie innerlich verletzen konnte. Lenas Mutter hatte auch schon mehrmals das Verhalten der Frau angemahnt – aber es war bisher zwecklos. Und dann geschah etwas. Es wurde unruhig im Freibad.

„Du, die Burgstaller liegt da drüben. Der ist plötzlich nach ihrer Tauchübung schlecht geworden“, zischte eine Schulfreundin zu Lena. Lena eilte zur Sitzbank am Rasenende.

„Geht mal weg“, bat sie die Umstehenden ihrer Klasse eilig. Lena hatte in der Jungschar bei einem Erste-Hilfe-Kurs kürzlich gelernt, was man tun musste, wenn solch ein Notfall auftrat. Sie zögerte nicht, der Frau mehrere Atemstöße durch die Nase zu blasen, damit sie Luft bekam.

„Uii, ist das peinlich“, sagten die einen. „Ekelhaft“, spotteten die anderen. „Das hält doch der Hund in der Pfanne nicht aus“, bemerkten die anderen. Doch Frau Burgstaller wurde dadurch gerettet. Ein richtiger Herzanfall war das. Doch es war noch mehr: Ein Schlaganfall, was man in den ersten Minuten nicht erkennen konnte. Und nun war die „Miss Universum“ hilflos jener Lena ausgeliefert, denn keine der Umstehenden wusste, wo sie hingreifen sollten! Auf der Bahre des Unfallwagens blickte Frau Burgstaller bleich und eingefallen die Lena an.

„He, guck mich nicht so blöd an“, rief sie ihr entgegen, nichts ahnend, dass sie das zu ihrem Lebensretter sagte. Lena rannte völlig aufgelöst weg.

„Mit was habe ich das verdient“, stöhnte sie laut brummelnd in einem Gebet zu Gott. Wenige Tage später hieß es in der Schule, dass Maria Burgstaller durch den Schlaganfall nun für immer leicht hinken würde. Einige Wochen später klingelte es an der Haustür. Als Lena selbst die Tür aufmachte, stand die früher so mächtige Frau Burgstaller mit einer Krücke vor ihr.

„Du, Lena, wenn du nicht gewesen wärst, ich würde …“, stotterte sie. Der so vorher über allen Dingen erhabenen Frau rannen nun die Tränen aus den schon verweinten Augen.

„Nein, Frau Burgstaller, wenn Gott nicht gewesen wäre, dann!“, entgegnete Lena. Damit konnte die Handarbeitslehrerin, die ihren Dienst in der Schule nicht mehr hundertprozentig ausführen konnte, nichts anfangen. Aber … Lena wusste das. Dass Gott Lena beigestanden und zuletzt auf solche Aufsehen erregende Weise die Not bewältigte, war ihr nun klar geworden. Auf nicht gerade sanfte Weise allerdings für Frau Burgstaller! Ein ernstes Reden Gottes! So macht es der lebendige Gott nicht immer! Aber in diesem Fall eben so. Hart aber heilsam! Er nimmt seine Kinder unter seinen Schutz, weil er nie schläft oder schlummert und die Leute nie vergisst, die ihm vertrauen. Gott behielt also in jeder Minute den Überblick über das Leben von Lena, auch wenn sie es nicht merkte. Gott bleibt am Handeln, auch wenn man denkt, er schweigt. Gott ist für immer hellwach! Auch für dich tut er dies!

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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