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Die Täuschung

„Hey, da werde ich putzmunter!“ Larissa hielt eine Einladung von ihrer Schulfreundin Angelika in der Hand. „Wow, finde ich nett, Samstagmorgen fahren wir in den Europa-Park nach Rust!“ Larissa Degermann quirlte vor Lebenslust. Bei ihr war auch immer was los. Schuhe aus, Schuhe an. Stiefel rein, Stiefel raus. Stundenlang konnte sie auf der Eisbahn ihre Runden drehen. Im Schwimmbad war sie kaum aus dem Wasser zu ziehen. Bei Kinderpartys war Larissa die Letzte, die ging. Abends las sie bis zum Abwinken spannende Bücher. Larissa war die unermüdliche Kämpferin. Eine Minute mal „nichts“ – und sie wurde kribbelig.

„Sei doch mal bitte zehn Minuten ruhig am Tisch“, bat ihre Mutter beim Mittagessen. Doch gleich nach dem Essen warf sie ihren Löffel in den Teller und das Fahrrad wurde gesattelt. Berg hoch, Berg runter, Kurve links, Kurve rechts.

„Oh, Larissa – dein Temperament!“, sagte der Vater. Es war Freitag. Der Gong an der Tür zeigte einen Besucher an. Am Eingang stand Sara.

„Hallo, Larissa, ich möchte dich gerne zur Jungschar mitnehmen, kommst du?“

„Äääh, was gibt’s denn?“, fragte Larissa heuchlerisch.

„Heute brausen wir zum Wasserfall und direkt unter den Fluten hören wir eine biblische Geschichte“, gab Sara zur Antwort.

„Ach, ja, ääh, mir ist heute schlecht“, täuschte Larissa vor. Jedesmal hatte sie in Wahrheit eine andere Ausrede. Sie wollte nicht zu dem „christlichen Club“, wie sie es nannte. Immer wenn Sara mit ihrem klapprigen Fahrrad in den Hof einradelte, zischte Larissa nach oben und puderte sich mit weißem „Make-up“ ein, um eine Krankheit vorzuspielen.

„Puh, die wäre ich los! Es ist ja zum Kichern, wie Sara auf diesen Trick immer hereinfällt“, munkelte Larissa überheblich. Doch Sara kannte Larissa. Sie durchschaute ihre Machenschaften.

„Kommt, wir beten weiter, damit Larissa irgendwie Jesus kennen lernt“, sagte sie zu ihrer Jungscharleiterin.

Larissa sprudelte weiter voller Übermut. Doch als sie am nächsten Tag mit Angelika und ihren Eltern in den Europa-Park fahren wollten, klagte sie in der Frühe über heftige Bauchschmerzen. Die Mutter wurde unruhig, als sie sogar laut aufschrie.

„So kannst du auf keinen Fall heute fort“, ermahnte die Mutter streng.

„Ich will aber dorthin“, trotzte Larissa mit schmerzverzerrtem Gesicht. Doch es half nichts – der Arzt musste kommen.

Dr. Flender blickte besorgt. „Larissa muss ins Krankenhaus – Verdacht auf Blinddarmentzündung“, bemerkte er und forderte sofort einen Krankenwagen an. Larissa konnte es nicht begreifen, jetzt einmal still und unbeweglich im Krankenhaus zu liegen. Müde und verzagt lag sie nach der Operation in Zimmer 116. Die Schmerzen wollten nicht aufhören. Plötzlich tauchte Sara auf und trat ins Zimmer. Larissa bekam außer von ihren Eltern kaum Besuch. Nicht einmal Angelika, ihre Schulfreundin, schwirrte vorbei. Larissa saß völlig enttäuscht und entkräftet in dem mittleren Bett des Zimmers auf der Kinderstation.

„Ich glaube, ich bin bei meinen Freundinnen nur gut genug, wenn ich fit, munter, fidel und als Stimmungskanone auftrete“, sagte Larissa verbittert. „Bei denen ist nur der gesunde Mensch was wert. Jetzt merke ich, wer wirklich einen guten Freund hat“, grummelte sie altklug hinterher.

„Jesus ist der beste und treuste Freund, den es gibt“, sagte Sara stolz von ihrem Herrn. „Jesus liebt uns, ob wir lebendig wie ein Wirbelwind sind oder völlig schwach im Bett liegen“, predigte sie. Larissa war dieses Mal offen für die Worte von Sara, denn sie gehörte zu den wenigen, die zu ihr hielten.

„Meinst du, Gott vergibt mir Lügnerin, denn ich habe … Make-up …“, sprudelte es dann aus ihr heraus.

„Weiß ich schon“, unterbrach Sara, „aber ich trage dir nichts nach.“ Vor lauter Schwäche musste Larissa weinen. „Sage nichts – Jesus gibt neue Kraft, vertraue ihm“, beschrieb Sara die Lage.

Die völlig geschwächte Larissa erlebte Jesus. „Ich werde bald mit „Karacho“ zur Jungschar mitgehen“, versprach sie.

„Jetzt werde zuerst gesund und dann sehen wir mal, okay?“ Doch Larissa wurde lange nicht gesund. Lungenentzündung und andere Infektionen folgten. Erst nach einem halben Jahr schwerer Krankheitszeit ging es mit ihr langsam wieder bergauf. Larissa ging tatsächlich mit in jene Jungschar. Ihr „putzmunteres“ Wesen gab den Kindern dort einen neuen Schwung. Gott verwandelt – oft durch die „Schule der Krankheit und Schwachheit“.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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