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Die saftige Klassenarbeit

Weißt du, lieber Leser, was für mich, den Schreiber hier an diesem pfiffigen Buch, eine mittelschwere Katastrophe war, solange ich noch zur Schule ging? Viermal darfst du raten:

a) eine Blindschleiche im Bett,

b) ein Dachziegel auf dem Fuß,

c) eine lange Wanderung ohne Trinken,

d) eine Fünf in Mathe und das regelmäßig.

Na – was meinst du? Gut geraten: Möglichkeit a) bis d)!

Allerdings vom Mittelschweren das Schlimmste waren meine schlechten Mathenoten. Ehrlich gesagt: es hat mir unendliche Not gemacht. Rainer beispielsweise lernte selten oder nie für eine Arbeit und schrieb reihenweise immer Zweien. Ich plagte mich ab und begriff die Formeln und Zahlen nicht. Na, vielleicht sagst du mir zum Trost: „Jeder hat eine schwache Stelle!“ – aber das half mir damals nichts. Einige in der Klasse waren auch noch recht schadenfroh. Kurvte unsere liebe Frau Jegglin in der Graf-von-Bissingen-Schule mit Tempo 165 um die Ecke, dann ahnte ich nichts Gutes.

Ich muß dir sagen: Mir hat es bombastischen Kummer bereitet. Anderen geht es heute vielleicht in Deutsch oder in Englisch so. Oder in einem anderen Fach. Es will und will nicht gelingen, obwohl man sich hinter das Fach klemmt. Irgendwie kommt man über gewisse Dinge nicht so gut hinweg. Obwohl ich auch betete, hat mir der Herr Jesus Christus diese Schwachstelle – insbesondere während meiner Schulzeit – nicht weggenommen. Aber wißt ihr, was er kann? Überraschen kann uns der Herr.

So ging’s mir eines Tages in dem für mich süß-sauren Fach Mathematik. Wieder hatte Frau Jegglin uns eine saftige Klassenarbeit präsentiert. Ich hatte mich gut darauf vorbereitet und zuvor bis in die späte Nacht hinein gepaukt. Nun saß ich vor der Arbeit und … ich flehte den Herrn Jesus an, dem ich von Kind auf vertraute. Überlegen, grübeln, eine Mischung aus Quiz und Schätzen, Wissen und Gelernthaben. Nach guten zwei Stunden war die Schwitztour vorbei. Mein Hemd konnte ich zweimal auswringen, so verschwitzt war es. Aber die Schwitzerei ging erst richtig los – das elende Warten. „Herr Jesus, hilf mir doch!“ „Herr Jesus, mach mich ruhig!“ – so waren meine Gebete. Kommt jetzt wieder ein pfeffriger Schlag mit einer runden, dicken 5? Oder hieß es im Beamten-deutsch: „Ungenügend?“ Banges Warten.

Der Montagmorgen kam, und wie ein Gummimännchen war ich aufgeregt. Frau Jegglin stand in der Klasse mit eigenartigen Lippenzuckungen da.

„Oh weia“, dachte ich, „wieder ein Absturz? Wie bringe ich das nur meiner Mutter bei?“

„Ralph Doll!“ –

„Ja?“

„Ein Wuuuuuunder ist geschehen“, grinste Frau Jegglin und betonte Wunder ein wenig spöttisch.

„Was denn?“

„Ja, Ralph: Note 2,5!“

Mir wurde ganz schwindlig vor Freude. Heiß und kalt ging’s mir hoch und runter. Ich buchstabierte für mich die Note: „Zwei Komma fünf?“ Ob ich Freude hatte? Also jeder, der mich so fragen würde, dem muß ich sagen: „Überüberüberbom-bastische Freude!“ Und gedankt? Klar doch! Dem Herrn Jesus habe ich gedankt. Den ganzen Schulweg den Sonnberg hoch, die Weihergasse bergauf. So, jetzt wißt ihr’s. Heute kann ich schon recht gut rechnen, habe aber andere Fähigkeiten bekommen. Fragt ihr vielleicht noch, warum der Herr Jesus mir nicht immer geholfen hat? Die Frage beantworte ich gerne: Damit ich weiterhin mit ihm rechnen sollte!

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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