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Die „Müll-Knüll-Fetzen-Papier-Schnipsel-Suchgruppe“

Kriegsstimmung in Kernbach, einem kleinen, verschlafenen Dörflein in Hessen. Krach. Knatsch. Ärger.

„Das lassen wir uns nicht bieten“, fauchte Tom von der Kanonengasse in den Garten von Reinhard. Dabei hatte es so lustig begonnen. Es ging ja nur um das Preisausschreiben der Sparkasse. Mehrere Skateboards und eine Gruppen-Freikarte für einen Tag auf einer Pferderanch standen auf dem Spiel. Eigentlich harmlos. Doch Wettbewerb hieß Kampf.

Was war zu tun? Sieben Kinder mußten sich zusammentun, um ein abgegrenztes Waldstück nach Abfall zu durchsuchen. Welche Kleingruppe innerhalb von drei Tagen 50 kg Müll auf einer Waage nachwies, bekam den 1. Preis. Kontrolliert wurde es von einem Mitarbeiter der Sparkasse. Das Hechten in den Wald ging eifrig los. Vierzehn Kinder stocherten mit Eimern, Kübeln und Säcken in Richtung Rimberg.

„Das ist doch was Feines, daß wir was für den Umweltschutz tun“, meinte Opa Jelte.

„Ja, ja, das war ‘ne gute Idee von der Sparkasse, das ist was Vernünftiges“, ergänzte Frau Müller.

Tom war mit einigen Jungen unterwegs. Und wie es manchmal kommt, war Ulrike Wissmann mit sieben Mädchen in der Gegend, die die andere ‘Müll-Knüll-Fetzen-Papier-Schnipsel-Suchgruppe’ bildeten.

Aber es kam nicht gerade schön. Ulrike war ein „schlagkräftiges“, kerniges Mädchen aus Kernbach. Und die hatte, im Gegensatz zu manchen Jungen, deftige Ideen und benahm sich eher wie ein Junge. Und dann tat sie es: Sie stiftete Reinhard an, Tom und seine Suchmannschaft zu bestehlen. So schlich er in den Wald und nahm drei Säcke Müll weg. Beim vierten tippte ihn jemand auf die Schulter, und ehe er sich richtig umsah, hatte er ein blaues Auge. Tom erwischte ihn auf frischer Tat und schlug zu.

„An allem ist Uli Wissmann schuld“, wimmerte Reinhard.

„Das gibt eine blutige Abrechnung!“ formulierte Tom wie bei einer Kriegserklärung.

„Was denn, was denn – blutig und Abrechnung …“ Opa Jelte kam gerade des Wegs und hörte alles mit. „Wißt ihr denn nichts mehr aus eurer Jungschar? Da kann sich doch tatsächlich euer Jungscharleiter mit den besten Bibelarbeiten den Mund fusselig reden – und ihr lernt nichts dabei. Lernt verlieren – dann habt ihr mehr gewonnen! Und“, so fuhr Opa Jelte fort, „der Uli Wissmann habe ich schon Dampf gemacht. Noch was: Durch eure Streiterei hat die Gruppe um Horst Kleiss einen riesigen Vorsprung. Wollt ihr euch nicht zusammentun?“ Das war ausnahmsweise erlaubt, wenn sich andere auch zusammentaten.

Es dauerte noch eine Weile, bis die Stimmung der zwei Suchgruppen wieder gut war. Dann aber: Mit einem großen Eifer mußte nun sogar der kleine Pritschen-Lieferwagen von Toms Vater her.

„252 kg!“ – Mann, das war ‘ne Leistung. Doch leider kam Katzenjammer auf: Eine andere Gruppe gewann.

Der Leiter der Sparkasse war jedoch begeistert über diese Mühe. Er spendierte jedem der Kinder zwei große Packungen Gummibärchen. „Tüten aber in den Müll, ihr ‘Knüll- und Schnipsel-Sucher’“, sagte lächelnd der Sparkassen-Mann.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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