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Die Heilige vom Siegerland!

„Also, ich muss schon sagen, du bist recht großzügig, Isabell!“ Tommy, Marc, Gesine und Isabell streiften durch einen Supermarkt in Siegen. Die Straßen waren grell beleuchtet. Weihnachtlicher Duft in allen Ecken. Buden und Marktstände, die Süßes verkauften, gab es in Hülle und Fülle. Die vier aus dem Siegerland hatten sämtliche Sparschweine, die ihnen gehörten, mit schweren Hämmern zertrümmert und ratzeputz geplündert. Sie wollten dieses Jahr in der Adventszeit mal so richtig auf die „Pauke“ hauen.

„Geld soll fließen, damit wir unser Leben genießen“, spöttelte Tommy. Und was sie sahen und ihnen gefiel und es der Geldbeutel erlaubte, kauften sie.

Gesine, eine von ihnen, war es allerdings etwas mulmig zumute. Sie gehörte einer Jungschar in Siegen an und vertraute dem Herrn Jesus. Ihr Gewissen plagte sie, einfach das Geld so zum Fenster hinauszuschmeißen. Sie wusste wohl, dass Jesus nicht ein „Verbieter alles Schönen“ war, aber angesichts der großen Not, die es auf der Welt gab? Die nachdenkliche Stimmung war allerdings nach einiger Zeit verschwunden. Ruckzuck rannten die Mädchen und Jungs von einem Schleck-Laden zum anderen. Ganz abgehetzt erreichten sie nachmittags in der Nähe des Leimbachstadions die Bushaltestelle. Ihre Taschen waren überfüllt mit kleinen Geschenken und vielen Sorten Süßigkeiten.

Leise hatte Gesine am Morgen während des Stadtbummels gebetet: „Herr Jesus, ob das richtig ist, was wir tun? Bestimmt nicht alles. Du weißt es. Zeige mir doch bitte, was dir noch besser gefällt heute. Danke. Amen.“

Alle standen also erschöpft da und warteten auf den Bus.

Dann geschah es – war das Zufall? Frau Rohrmooser und ihre Gustl kamen auch vom Einkaufen und stellten sich an den Platz, wo die Kinder warteten.

„Hallo, ihr vier!“ Lächelnd sprach Frau Rohrmooser die Kinder an, die sie von der gleichen Straße her kannte. Ohne dass sie die riesig gefüllten Taschen der Kinder bemerkte, seufzte sie ein wenig vor sich hin. „Ach, alles ist so teuer geworden. Das Paar Schuhe für Gustl, 89 DM! Aber ein Weihnachtsgeschenk braucht sie doch auch noch!“ Geld war bei Rohrmoosers knapp. Der Vater lag schon drei Jahre schwerkrank im Bett, und die Familie bekam nur eine kleine Frührente.

Gesine hatte keine Adventsstimmung. Ihr Magen drehte sich um, als sie sah, daß das schön gesparte Geld verpfeffert war. Plötzlich stampfte sie auf den schneematschigen Boden und rief laut: „Also, das ist doch allerhand, wie wir mit dem Geld um uns schmeißen und wehleidig jammern, wenn wir mal etwas nicht bekommen. Ich gebe die Hälfte von dem, was ich gekauft habe, für Jesus!“

„Mensch, Sine, biste nun am ausflippen?“ bemerkte launig Marc, als er das hörte.

„Nein, nur am Mithelfen, das Gebete erhört werden!“ reagierte Gesine umgehend im energischen Ton.

Isabell trippelte im Schneewasser ganz aufgebracht hin und her. „Was denkst denn du, meinste, du bist ‘ne Heilige vom Siegerland, oder?“

„Ich will nicht mit euch streiten, aber das war nicht gut, wie wir heute gelebt haben. Ich tue das, was sicherlich jetzt besser ist“, antwortete sie wieder etwas entspannter. Schweigend standen alle da.

„Komm, Gesine, lass uns wieder gut sein!“ Tommy war es ganz peinlich, dass ein so schöner Einkaufstag im Streit enden sollte.

Als Gesine abends im Bett lag, dachte sie über das Wort von Isabell nach. ‘Heilige vom Siegerland’ … Jetzt wusste sie es genau. Heilig heißt: Für Gott besonders da sein. Gut. Ihr Entschluss für den nächsten Tag war klar.

Sie suchte Frau Rohrmooser auf und überbrachte ihr einen großen Teil der Einkäufe.

Frau Rohrmooser fiel aus allen Wolken. „Das alles für uns? Ist das dein Ernst? Das können wir doch nicht annehmen!“ bemerkte sie.

„Doch, doch, Heilige müssen das tun …“, antwortete Gesine. Für sie war dieses Wort nun ein Ehrentitel geworden. Und sie war glücklich.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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