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Der Wortwasserfall

„Thea Nüsslein – wie kann man nur so einen bedepperten Namen haben!“ Elke Frommer hatte Thea auf dem Kieker. Im Freibadrummel von Minden in Westfalen hatte sie nichts anderes zu tun, als immer auf Thea herumzuhacken. Der Grund war einfach: Thea gewann drei Wochen vorher beim Preisrätsel der Sparkasse ein Fahrrad. Beide waren Freundinnen und hatten zusammen beim Wettbewerb mitgemacht. Sie hatten ein Los gezogen, und Elke wollte unbedingt die Losnummer von Thea, weil ihr Geburtstagsdatum in der Zahlenreihe drin war. Und prompt geschah’s anders: Das Los von Thea gewann. Ab diesem Zeitpunkt war der Krach und Neid perfekt.

„Ich will nie wieder was mit dir zu tun haben!“, äußerte sich wutentbrannt Elke. Elkes Rache-Neid-Stachelei kannte keinen Halt. Jede Gelegenheit wurde zum „Wortwasserfall“. Die beiden 11jäh-rigen Mädchen verstanden sich noch Tage zuvor so gut. Thea war allerdings im Gegensatz zu Elke eine Christin. Auf einer Kinderfreizeit im Februar am Forggensee im Allgäu hatte sie erkannt, daß Jesus Christus ihr Herr und Gott sein will. Nun entstand in dieser Situation mit Elke eine Prüfung, wer oder was wohl stärker war: Christus in ihrem Leben oder … Hass, Rache und Streit. So glutheiß es an diesem Junitag im Freibad war, so hitzig ging es nun immer weiter. Thea beschäftigte sich fast Tag und Nacht mit der dummen, zerstrittenen Lage.

„Was soll ich nur tun, Herr Jesus? Gib mir doch einen guten Einfall, und heile du dieses Problem.“

Und Gott gab Thea Nüsslein eine Idee. Es war schon September geworden. Und an jenem 23. September fuhr Thea mit ihrem Fahrrad in die Hauptstraße zu Elke. Trotz Herbstanfang war es Thea ganz heiß vor Aufregung. Klingeln. Die Türe öffnet sich.

„Thea – du?“

„Herzlichen Glückwunsch, liebe Elke, zu deinem 12. Geburtstag! Ich habe dir auch ein Geschenk mitgebracht.“ Es stand ein riesiger Karton vor ihr.

„Ein Geschenk? Für mich?“ Wie wild geworden packte Elke in atemberaubender Geschwindigkeit den Karton aus. Drin lag ein Briefumschlag, wo eine Zahl drin stand und über ihr der Vermerk: Gutschein: Los-Nr. „23O91122“ – einzulösen bei Thea Nüsslein in der Nelkenstraße – am Donnerstag, 27. September, 15 Uhr bei heißer Schokolade und Zwetschgenkuchen. Elke bedankte sich verwundert. Was war das für ein Tag?

Und die Überraschung war perfekt. Thea empfing Elke an der Haustüre mit dem Fahrrad in der Hand, wo die Zahl: „84“ dranhing.

„Was hat das zu bedeuten?“ fragte Elke – endlich wieder lächelnd.

„Tja, Elke, die Woche hat 168 Stunden und dieses Fahrrad soll dir 84 Stunden, also die halbe Woche auch gehören“, bemerkte Thea in frohem Ton.

„Ja, wie kommt’s, Elli?“ Liebevoll nannte Elke wieder Theas Freundschafts-Kosename.

„Ach, du weißt doch: Gott ist so stark, und er kann prima Ideen geben. So kam ich auf diesen Gedanken.“ Elke war fröhlich , aber „verdattert beschämt.

„Ach, wo ich dir doch so weh getan habe …“, schluchzte Elke ein wenig.

„Oh, Elke, komm doch, jetzt ist es vorbei. Gott wurde einfach stärker als alle meine Gefühle, und dann … ja dann … konnte ich dich wieder richtig lieb haben und dich auch verstehen!“

Ab diesem 27. September war der Doppelknoten der bösen Gefühle geplatzt.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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