Home   Bibelpiloten   Kurzgeschichten   Der tödliche Schock

Der tödliche Schock

„Die ist doch total blöd!“ Evi Walker hatte keinen leichten Stand in ihrer Klasse. Und dabei konnte sie gar nichts dafür. Mit drei Jahren hatte sie einen schweren Verkehrsunfall in den Straßen von Passau. Sie war über die Straße gerannt und wurde dabei von einem Motorradfahrer direkt erwischt. Wochenlang sorgten sich die Eltern um sie. Stundenlange Operationen. Die Überlebenschance war gering. Und doch half Gott.

„Es wird dennoch eine Behinderung bleiben – den Fuß wird sie nachschleppen müssen und humpeln“, meinten die Ärzte. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf es die sonst sehr vergnügte Familie Walker.

Und nun … nach Jahren: Immer wieder kicherten ihre Schulkameraden über die nun 10jährige Evi. Sie war sehr hübsch. Aber das Urteil der Mitschüler war hart und überheblich.

„Ach – wäre ich nie geboren!“ Evi Walker stürzte völlig depremiert und verzweifelt wieder nach einem Zwischenfall während des Unterrichts aus dem Klassenzimmer.

„Ihr seid doch ein böses Volk! Und keiner von euch sagt ein Wörtchen Gutes!“ Verärgert knallte Herr Kellenbenz, der Klassenlehrer, die Faust auf den Tisch. Kaum ausgesprochen, quietschten Bremsen auf der Hauptstraße vor den Fenstern. Evi Walker wurde wieder angefahren! Der Schock breitete sich sekundenschnell aus. Wie angewurzelt starrten die Schüler auf die Straße hinunter.

„Das haben wir davon!“ Evi Walker lag bewußtlos auf der Straße. Der Krankenwagen fuhr mit Karacho fort. Lähmende Stille.

„Ich glaub’, ich glaub’, ich krieg zuviel!“ Thomas Petersen konnte es nicht glauben. Wie im Traum kam es ihm vor. Er war nämlich der Hauptinitiator der „Hänselei“.

„Sucht man wieder einen Sündenbock?“ fragte Herr Kellenbenz, als alle Schüler jetzt auf Thomas schauten und ihm dieses Ereignis zuschieben wollten. „Ihr alle, nein, wir alle haben Schuld – und nur Jesus kann es uns verzeihen.“ Getrampel auf dem Gang. Eiligen Schrittes kam Rektor Wössner ins Klassenzimmer.

„Soeben erhielt ich die Nachricht, daß …“, er stockte und weinte, „… daß Evi Walker vor wenigen Minuten verstorben ist!“ Die ganze Klasse war in tiefer Not. Alle weinten. Pastor Keller stand auch mit dabei.

„Ich halte euch jetzt keine Moralpredigt, aber – ihr wißt schon.“ Ja – alle wußten, denn es waren keine drei Tage her, da sagte Pastor Keller im Religionsunterricht: „Gott sieht jeden Menschen als sein geliebtes Geschöpf an. Und er liebt sie. Er macht keine Unterschiede zwischen gesund oder krank, zwischen Hautfarbe oder Herkunft. Achtet darauf – wertgeachtet sind wir.“

Silke, die Klassensprecherin stand betreten auf und sagte: „Wir, wir sind einem Menschen gegenüber schuldig geworden. Uns kann …“, sie fing an, laut zu weinen, „… uns kann nur wirklich Jesus vergeben, daß wir einen von Gott geliebten Menschen fertiggemacht haben.“ Die Klasse erlebte einen Umbruch. Das war auch nötig. Etliche fanden durch dieses Ereignis zu Jesus Christus und baten ihn, ihr Leben und ihre Lebenseinstellung zu ändern.

Frage an die Leser: Gibt es auch jemand in eurer Klasse, bei dem ihr sofort und ohne Zögern aufhören müßt, ihn zu ärgern?

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

Zurück zur Übersicht