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Der Reißverschlußmund

„Puuh, war das gestern eine Rennerei: oben durch, unten durch, oben drüber, außen vorbei; krabbeln, robben wie ein Robbenbaby in der Antarktis, hangeln, klettern, hopsen und ducken. Au, bin ich froh, daß jetzt ein paar Tage Urlaub fällig sind!“

Reiner ist bei der Bundeswehr. Vor acht Monaten hat man ihn zu einer Luftwaffeneinheit im „hohen Norden“ eingezogen. Erst dachte er, er dürfte mit ’nem Jet so zwischendurch herumdüsen, einen Tornado schnappen und mal kurz bei der Oma in Münsingen auf der Schwäbischen Alb herumdonnern – aber: Nichts von alledem, üben, üben, üben – und das auf dem Boden.

„Na ja, muß auch sein“, grummelt Reiner in seinen nicht vorhandenen Bart hinein. Reiner ist klar: So wie die Polizei die Stadt und das Land beschützt, so muß die Bundeswehr die Staatsgrenzen schützen. Und aus der Bibel, aus dem Römerbrief Kapitel 13, erkennt er: Gott hat staatliche Ordnungen geschaffen.

Reiner ist mit einigen Kumpels, wie er sie nennt, auf dem Zimmer in der Kaserne. Reiner ist der einzige Christ weit und breit. Er hat auch eine Bibel – aber die liest er immer abends unter der Bettdecke, daß ja keiner merkt, was er glaubt. Und wenn die Soldaten von ihren glänzenden, manchmal unsauberen Aktivitäten vom Wochenende erzählen, dann meint Reiner, er müsse auch was erzählen – nur nichts von dem, was er wirklich getan hat. Er geht in den Jugendkreis, zur Gemeinde, hilft im Kinderkreis mit und verteilt sogar Schriften. Aber in der Kaserne: Da schweigt er, als wenn er einen „Reißverschluß-Mund“ hätte.

„Gut, daß keiner weiß, daß man mich Christ zu nennen heißt“, oder? Ist das nicht ein Drama? Man paßt sich an. Man tut so, als wenn nichts wäre. Sonst spuckt man große christliche Töne. Leute denken: „Ist das aber mal ein eifriger Christ!“ Frau Müller in der Gemeinde bestaunt dich. Herr Seeger findet es „einzigartig“, wie du dich einsetzt. Der Gemeindeleiter lobt dich wie das „hohe C“ wegen deines entschiedenen Christseins. Aber … in der Schule: Mund wie zugeschnürt! Auf die Frage: „Sag mal, gehst du auch in die Jungschar dort in den „Saal am Dorfplatz“ in der Kirchstraße“ – dann pfeifst du wie ein Kanarienvogel und meinst: „Do…do…dort gehe ich n…n…nieeee hin!“

Feigling! Im deutschen Wörterbuch für Schule und Beruf heißt es unter dem Stichwort: „Anpassung“: DIE KUNST, SICH NACH DEN UMSTÄNDEN ZU RICHTEN.

Gilt das auch für uns, für Reiner bei den Soldaten und wo man sich auch befindet? Nicht immer. Denke daran: Jesus stellt sich zu uns. Er schämte sich nicht, zu uns zu kommen – in Sünde und Elend. Er steht zu dir: wetterunabhängig, eindeutig. Er ist „pro“ Gotteskind. An guten wie an miesen Tagen. Reiner steht nicht ganz zu Jesus. Und du? Bist du ungeteilt auf seiner Seite?

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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