Home   Bibelpiloten   Kurzgeschichten   Der misslungene Diebstahl

Der misslungene Diebstahl

„Mir dreht’s den Magen um, wenn ich die brutalen Kerle sehe!“, spottete Tanja Strickler unbegründet über die Polizeibeamten. Der Lehrer des Sozialkundeunterrichts, Herr Schmidthans, unternahm mit der Klasse einen „Erforschungstrip“ zu einem Polizeirevier. Der zuständige Polizeikommissar Drexelmann erklärte den Mädchen alle Aufgaben der Polizei und führte sie geduldig durchs Haus – ja, zeigte ihnen alle interessanten Geräte und Ausrüstungsteile.

„So klingt die Sirene, wenn wir zum Einsatz fahren, und diese Buchstaben auf den Autos sind dafür da, dass der Hubschrauber uns am Boden erkennt und zuordnen kann“, erklärte er ausführlich. Dieser Herr Drexelmann nahm sich viel Zeit für die Mädchen.

Tanja, eine von ihnen, zog etliche ihrer Mitschülerinnen ins Negative. „Pah, das ist ja der reinste Wachhund“, sagte sie.

„Und nur Maschinenpistolen kleben da im Schrank herum“, fügte Lena hinzu.

„Für was ist eigentlich die Polizei da, außer, um Leute zu erschrecken“, kläffte Erna völlig überheblich grinsend und provozierend in den Raum. Tanja und einige andere wollten nur auf sich aufmerksam machen und hetzten sich gegenseitig auf.

Doch Herr Drexelmann blieb ruhig. „Wir helfen, wir erschrecken nicht“, meinte er entschieden. „Klar, wir sind auch nicht fehlerlos und manchmal gehen uns auch die Nerven durch, wenn Leute frech werden.“ Die Schulklasse war überrascht über die Schlagfertigkeit des Polizisten.

„So, so, so“, entgegnete Tanja, „und wie reagieren Sie, wenn’s mal heiß wird?“ Herr Drexelmann schaute etwas verlegen auf den Boden und kratzte an den Ecken eines Ordners, den er in der Hand hielt.

„Dann werde ich Jesus Christus bitten, mir beizustehen und mir zu helfen“, antwortete er unerwartet der verdutzten Gruppe.

„Wieeee – einen frommen Polizisten haben wir vor uns?“

„Du sollst nicht töten, heißt es doch, oder?“ Die Dreizehnjährigen stellten nun Fragen, die alle Respektlosigkeit übertrafen.

„Vielleicht kommst du mal in eine Lage, wo du einen Polizisten brauchst“, sagte Herr Drexelmann ruhig.

„Nie, nie, niemals, nie!“, schrie Tanja Strickler in die Ecke, wo der Mann stand.

„Was hast du denn, dass dir die Zornesröte so stark ins Gesicht steigt?“, fragte der Polizist. „Ich habe dir doch nichts getan – wir alle nicht auf diesem Revier. Hast du ein Vorurteil übernommen oder hast du eine schlechte Erfahrung gemacht?“

Tanja wusste keine Antwort. Am späten Nachmittag fuhr die Gruppe dann wieder nach Hause. Herr Drexelmann war sehr bewegt von diesem harten Erlebnis. Selten war ihm so eine kritische Schulklasse und so ein aggressives Mädchen wie Tanja begegnet. Er schloss in seinem Dienstzimmer die Tür und setzte sich an seinen Schreibtisch. Stirnrunzelnd kaute er an einem Bleistift und blickte gedankenversunken auf ein Bild, das an der Wand hing. Es zeigte ein Schiff, das von meterhohen Wellen umspült wurde.

„Ja, so unruhig sind Menschen ohne Gott“, dachte er. „Wenn da Jesus nicht eingreift und dem Wind befiehlt, still zu werden, dann ist jede Rettung verloren.“ Der Mann betete und brachte Tanja vor den Herrn Jesus. „Mein Gott, du bist allmächtig, mächtiger als jede Polizei, jede Macht dieser Welt; du kannst helfen und eingreifen – auch bei Tanja.“ So rief Herr Drexelmann den Herrn und Gott, Jesus Christus, an.

Und nun – Tage später: Tanja Strickler hatte sich in eine dumme Lage gebracht. Tanja und „Moneten“ – wie sie es selbst nannte -, das waren zwei Welten. Ihrer Freundin Ulla versprach sie, das von ihr geliehene Geld für eine Musik-CD sofort zurückzuzahlen. Doch nun war wieder kein Pfennig da.

„So ‘ne Pleite, ich bin pleite“, murmelte sie verärgert. „Aber ich weiß was! Irene lässt am Schulhof immer ihre Inlineskates für einige Minuten liegen und da könnte ich … wer merkt das schon, wenn ich …“ Gedacht, getan und … misslungen! Es lief alles schief. Tanja wurde erwischt – vielmehr beobachtet, nämlich von Irene selbst!

„Na, Tanja – dein ‘nie, nie’ mit der Polizei war doch eine falsche Selbsteinschätzung, wie?“ Irene erzählte nun Tanja, wie sie selbst den Diebstahl sah.

„Das ist ja knochenhart!“, reagierte Tanja.

„Anscheinend geht’s ohne Polizei doch nicht“, sagte Irene, „denn sonst wären wir so unzuverlässigen Typen wie dir hilflos ausgeliefert.“

Tanja war erschüttert. „Bitte, bitte, geh nicht zur Polizei, hörst du?“

Irene druckste vor sich hin. „Okay, aber nur, wenn du morgen mit zur Jungschar gehst!“, betonte sie.

„Da … da … das ist ja Erpressung, feige Erpressung!“, betonte Tanja errötend.

„Nein, Wiedergutmachung!“

Und tatsächlich: Tanja ging wirklich mit. Der Gedanke an Erpressung verflog. Der wöchentliche Besuch in der Mädchenjungschar wurde eine Dauereinrichtung. Erst Monate später begriff Tanja Strickler, dass sie Vergebung für ihre „Mundschuld“ und „Tatschuld“ und „Herzschuld“ von Jesus benötigte. Und sie nahm Jesus Christus in ihr Leben auf.

Herr Drexelmann, der Polizist, erfuhr nichts von den Ereignissen. Aber Gott hatte sein Gebet erhört. Nicht die Polizei hatte ihre Hände im Spiel, sondern Gott. Er hat viele Wege, Menschen zu verändern.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

Zurück zur Übersicht