Home   Bibelpiloten   Kurzgeschichten   Das unheimliche Haus

Das unheimliche Haus

„Schöne Grüße von eurem Frank aus dem herrlichen bayrischen Wald.“ Er legte seinen Kugelschreiber zur Seite, die bunte Ansichtskarte vor sich hin und schlürfte genüßlich an seiner Cola. Vor ihm ein Wildgehege, hinter ihm ein romantisches Waldgasthaus. Frank Mack war mit seinen Eltern und seiner Schwester in den Ferien. Sein Vater war ein großer Naturfreund – und die ganze Familie stürzte sich bei jedem freien Tag ins Auto, um irgendwo im Umkreis die frische Waldluft aufzusaugen. An diesem Nachmittag im Mai hatten die Eltern ihn und seine Schwester Petra für drei Stunden allein gelassen. Vater wollte unbedingt den Arber, einen bekannten Berg, besteigen.

„Nöö, da gehen wir nicht mit, diese Pusterei und Herumsteigerei, da verliert man ja Kalorien, und zu trinken gibt’s auch nichts als Bergwasser … wir gehen lieber ins Wildgehege.“ Petra und Frank waren als Geschwister eigentlich ein Herz und eine Seele, wenn’s um gemeinsame Interessen ging.

Und so beschlossen sie, die Gegend dort „unsicher“ zu machen. In der Nähe der Ortschaft Zwiesel, wo die Familie ihr Quartier hatte, gab es urige Landhäuser und denkmalgeschützte, ewig-uralte Hütten. Als Frank und Petra nach einem vergnüglichen Nachmittag die kurze Strecke zu ihrer Feriensiedlung zurückwanderten, stießen sie auf so ein altes Haus, von welchen es eben viele in dieser Gegend gab.

„Oh, Mann, ähh, Petra, guck’ doch mal da hin!“ Frank zeigte mit seinen Fingern auf einen Totenkopf an der Stirnseite des Dachgiebels. Die beiden Kinder drehten eine halbe Runde ums Haus und lasen in einem Schaukasten: „Mediales Institut für Vergangenheitsforschung.“

„Was ist denn das?“ dachte Frank laut nach.

„Komm, wir hauen lieber ab“, meinte Petra verlegen und etwas ängstlich fröstelnd. Das ist ja ein Haus des Grauens!“

„Ach Quatsch, alte Angsthäsin“, klagte Frank. „Ich klingel jetzt einfach und schaue mal, was da los ist.“

„Ja, ja, los ist – du weißt doch, daß da böse Mächte dahinterstecken können“, meinte Petra.

„Hallo, ihr, wen sucht ihr?“ Plötzlich kam eine Stimme aus einem Fenster heraus, noch ehe Frank klingeln konnte. „Wartet, ich komme herunter!“

„Siehste, das haste davon, wären wir lieber abgehauen“, zischte Petra. Vor den Kindern stand wenige Augenblicke später ein Mann mit langem roten Samtanzug und einer Silberkette um den Hals. Vorne auf der Stirn hatte er ein kleines Dreieck aufgezeichnet.

„Wa…wa, was ist denn … was ma…ma…machen Sie in dem Haus?“ fragte Frank zaghaft.

„Wir erforschen in unserer Schule, wie heute unsere Verstorbenen denken und befragen sie, wie die Zukunft aussieht“, antwortete dieser rätselhafte Mann.

„Das sind böse Mächte, und mit denen wollen wir nichts zu tun haben … Sie … Sie … Guru!“ Frech, aber mutig schleuderte Petra diesem undurchsichtigen Mann Worte der Ablehnung ins Gesicht.

„Aber Kind, wie kommst du darauf – du weißt ja gar nicht, wie wichtig das ist!“

„Nein und nochmals nein!“ protestierte Petra daraufhin. Das väterliche Lächeln des ergrauten Mannes verzog sich in ein hämisches Kichern.

„Aber, aber, woher habt ihr denn solche Ansichten? Die Beschäftigung mit der Vergangenheit ist doch heute modern!“ Auf diesen Satz hin konnte Frank auch nicht mehr stillhalten. „Jetzt wissen wir, mit wem Sie umgehen, wir aber glauben an Jesus Christus. Er ist das Licht der Welt! Und die Bibel sagt nein zu jeder Beschäftigung mit verborgenen Mächten!“

Der Mann an der Hauswand erstarrte, und sein Blick wurde finster. „Auf, macht, daß ihr wegkommt!“

Wie mit Feuer unterm Hintern flüchteten Petra und Frank von dem Haus. Außer Atem setzten sie sich in der Feriensiedlung auf eine Parkbank und falteten die Hände, beteten und sprachen zu Gott: „Herr, Jesus, was sind wir froh, daß wir mit dir, dem Licht, zu tun haben. Wir gehören dir und sonst keinem anderen. Zeige uns, was dir gefällt. Mach uns durch dein gutes Wort klar, was du möchtest. Bewahre uns. Du bist unser Gott! Amen.“

„Petra, spielen wir noch eine Runde Minigolf?“ schlug Frank nach diesem Ereignis vor.

„Liebend gern“, antwortete sie. „Was sind wir heilfroh, daß wir IHN haben!“

„Meinst du Jesus Christus?“ fragte Frank.

„Wen denn sonst?“ gab Petra zur Antwort. Fröhlich spielte Frank auf der Spielbahn mit einem Schlag direkt ins Loch.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

Zurück zur Übersicht