Home   Bibelpiloten   Kurzgeschichten   Das gewonnene Fahrrad

Das gewonnene Fahrrad

„Bei dir piept’s ja wohl, oder?“ Frank schüttelt ärgerlich den Kopf wegen Peter, seinem Freund. Was war passiert? Bei einer Verlosung der Sparkasse hatte Peter ein wertvolles blau-silbrig glänzendes Fahrrad gewonnen. Viele hatten sich diesen tollen Preis gewünscht:

„Ach, ach, wenn ich nur dieses wunderschöne Fahrrad mit den vielen Gangschaltungen gewinnen würde“, sagten die Kinder des Ortes und dachten dabei an die Runden, die man damit drehen konnte.

Eifrig hatten viele aus dem Dorf bei dem Malwettbewerb mitgemacht. Malkästen und Stifte, Zeichenblöcke und Bälle konnte man gewinnen. Doch der 1. Preis war dieses edle Fahrrad. Und Peter Hauser gewann es. Im ganzen Dorf wurde er von den Kindern beneidet. Alle bestaunten die rasante Maschine. Stolz fuhr Peter damit die Hügel hoch, die Gassen runter und natürlich auch in die Schule.

Doch Peter besaß das Rad nur zwei Tage. Wieso? In der Jungschar am Freitag war eine Missionarin aus einem armen Land im Osten zu Gast. Die berichtete von einem Krankenhaus mit lauter schwer kranken Kindern. Und die hätten kaum ein Spielzeug. Mit verrosteten Blechdosen spielten sie Fußball, statt mit einem modernen runden Ball. Mit alten Klapperkutschen von Fahrrädern, die mit scharfen Nägeln zusammengeflickt waren, fuhren sie riskante Kurven im Innenhof des jämmerlich alten Krankenhauses. Die Verletzungsgefahr war hoch. Und so berichtete die Frau von dort. Aber … sie bettelte nicht um Geld, sondern bat nur um Gebet für die armen Kinder. Peter Hauser gingen die Gedanken um die Lage dieses Landes im Osten nicht mehr aus dem Kopf.

„Herr Jesus“, betete er, „ich habe schon zwei Fahrräder, ein Gokart und dazu noch 186 Spielautos in meinem Zimmer – möchtest du, dass ich mein nagelneues Fahrrad dorthin an diese Kindern verschenke?“

Peter hatte eine unruhige Nacht. Immer wieder dachte er darüber nach und wusste nicht, was er machen sollte.

„Aber … aber … wenn die mein Fahrrad kaputtmachen oder dieses Geschenk dann gar nicht schätzen und irgendwo in die Ecke schmeißen“, grübelte er.

Doch da kam es ihm, als wenn Jesus ihm persönlich sagte: „Du, Peter, wem schenkst du eigentlich das Fahrrad – schenkst du es nicht mir?“

Und da wurde Peter mutig. „Natürlich, das ist es! Ich schenke das Wertvollste, was ich momentan habe, dem Herrn Jesus, weil ich ihn lieb habe!“ Und so übergab er der Leiterin am nächsten Tag ein wenig schweren Herzens und doch gespannt-fröhlich das gewonnene Fahrrad. Die Leiterin fiel wie aus allen Wolken.

„Hast du dir das gut überlegt?“, fragte sie misstrauisch.

„Ja, und meine Eltern haben es mir erlaubt, weil sie auch an Jesus glauben.“ Als das die anderen hörten, zeigten einige ihm den „Vogel“, andere wiederum bestaunten ihn.

Frank, Peters Freund, sagte: „Peter, bei dir piept’s wohl – so ein teures, schönes, herrliches Fahrrad zu verschenken – bis du wahnsinnig?“ Doch Peter war froh, auch wenn’s ihm nicht so leicht fiel, zudem ja auch sein bester Freund ihn fast davon abhielt. Es war eine richtige Entscheidung, weil das Beste immer Jesus gehören soll. Peter wurde deswegen im reichen Deutschland nicht ärmer – aber im Herzen, da wurde er steinreich, weil er sehr glücklich war.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

Zurück zur Übersicht