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Das Dilemma mit den Sonnenblumen

31. August

Das Dilemma mit den Sonnenblumen

Lies 5. Mose 19,16-20

»Es kann einfach nur Eric gewesen sein«, sagte Patrick beharrlich. »Aber, Patrick«, meinte Mutter, »beschuldige bitte niemanden, solange du keine Beweise hast!« Sie runzelte ihre Stirn: »Vergiss nicht Gottes Gebot im zweiten Buch Mose 20,16: >Du sollst gegen deinen Nächsten nicht als falscher Zeuge aussagen.< In einer anderen Übersetzung steht: >Sage nichts Unwahres über deinen Mitmenschen.< Du musst sehr vorsichtig sein.«

Patrick machte ein finsteres Gesicht und ging wieder nach draußen. Im Frühling hatte Patrick eine Reihe Sonnenblumenkerne entlang des Zauns ausgelegt, der seinen Garten von Erics Garten trennte. Die Jungen waren begeistert, als die ersten grünen Schösslinge erschienen. Sie hatten die Pflanzen beim Wachsen beobachtet, bis sie den Zaun überragten. Zuerst hatten die Blumen wie riesige Gänseblümchen ausgesehen, die immer in die Sonne lächelten. »Sie lächeln mir am Morgen zu und dir am Nachmittag«, hatte Patrick zu Eric gesagt, und die Jungen machten sich einen Spaß daraus, in dem Teil des Gartens zu spielen, in dem die Sonnenblumen lächelten. Wenn sie vom Spielen müde waren, ruhten sie sich im Gras aus und beobachteten die Eichhörnchen, die in den Ästen über ihnen wie mutige Zirkusakrobaten herumturnten.

Als die Sonnenblumen heranreiften, drehten sich ihre Köpfe nicht mehr mit der Sonne, stattdessen hingen sie schwer nach unten. Aber jetzt fehlte der größte Kopf. Patrick war sich sicher, dass Eric ihn weggenommen haben musste, und war wütend. »Ich wette, dass er auch die anderen wegnehmen wird«, maulte Patrick in sich hinein, »aber ich werde ihn schon noch erwischen!«

Während er auf einer Trittleiter stand, schlang er ein Stück Schnur um ein paar der größten Pflanzen. Er hängte ein kleines Glöckchen an das Schnurende und versteckte es, so gut er konnte, unter den Blättern.

Als er etwas später hinausging, um den Mülleimer zu leeren, hörte Patrick die Glocke. Er stürmte in den Garten. Dort sah er, wie ein Eichhörnchen sehr geschäftig an einer Sonnenblume nagte. Der Kopf fiel zu Boden. Mit lautem Geschrei verjagte Patrick das kleine Tierchen. Dann hob er den Sonnenblumenkopf auf und rannte zu seiner Mutter, um ihr davon zu erzählen.

Mutter lächelte und nickte: »Bist du nicht froh darüber, dass du Eric nicht wieder beschuldigt hast?«

Wie steht es mit dir?

Hast du jemals einen Menschen beschuldigt und dann später herausgefunden, dass du im Unrecht warst? Vergewissere dich sehr genau, dass du die Tatsachen kennst, bevor du jemanden beschuldigst. Falls du allerdings Gottes Gebot diesbezüglich schon gebrochen hast, dann entschuldige dich bei der Person, der du Unrecht getan hast und versuche, das nächste Mal vorsichtiger zu sein.

Merke

»Werde nicht ohne Grund Zeuge gegen deinen Nächsten!« Sprüche 24,28

Bilde dir keine vorschnellen Urteile!

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