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Blaulicht im Schwarzwald

Die Scharlottenhöhe auf dem Sonnenberg in Schramberg im Schwarzwald war Knotenpunkt aller Räuber und Indianer, Polizisten und Gendarmen. Dieser schöne Bolz- und Spielplatz war ein Paradies für die kernig aufgelegten Kinder. Alle Jungen und vereinzelt einige mutige Mädchen der Erhard-Junghans-Straße lieferten sich dort Duelle mit Pfeil und Bogen. Ab und zu wurde leider aus den harmlosen Ringkämpfen und Spielen auch Ernst. Tränen, Löcher in den Hosen und Schrammen im Gesicht versprachen Ärger zu Hause.

Hubbi nannten einige den kleinen Hubert. Er wollte keinem Streit und keinem Abenteuer aus dem Weg gehen. An jenem Freitag im Juni, kurz vor den Sommerferien im Schwabenland, geschah es:

Ins Schwimmbad konnte man nicht gehen, weil es zu kühl war. So tummelten sich die Kinder des Sonnenbergs und der Amselstraße wieder auf der Scharlottenhöhe, um Höhlen zu graben, Baumhütten aufzurichten oder auch nur, um mit einem alten Ball in der Gegend herumzuschießen.

Hubbi, der Minipimpf, war natürlich überall dort, wo etwas los war. Wettkampf war angesagt. Erster Preis: Ein Dauerlutscher, Durchmesser: 10 Zentimeter. Da wollte Hubbi dabeisein.

Aber er überschätzte sich an diesem Tag. „Hubbi, unser ‘Felsen-Extrem-Tief-Ziel-Sprung’ eignet sich nicht für so ein Greenhorn wie dich“, meinte überragend Ronny Müller, der „King“ und Oberindianer aus dem Vogtsbachweg.

„Pah, ihr unterschätzt mich – ich gehöre zu den Profis“, reagierte Hubbi kühl und beleidigt.

„Jetzt sei mal nicht so, du weißt genau, daß unser ‘FETZ’-Sprung nur von den Großen unter uns bewältigt werden kann.

„Ich werde es euch zeigen“, antwortete Hubbi. Mit einem halben Salto verabschiedete sich Hubbi von der Kindergruppe und stieg über die Büsche und Wurzeln die kantigen Felsspitzen hoch.

„Hör doch auf, Hubbi, geh herunter, sei nicht so stur – hör doch auf uns …“, schrien die Kinder. Kaum noch gesagt, hob Hubbi ab und schrie kurz auf. Die Kinder unten auf dem Platz wurden bleich … „Hubbi … Hubbi …!“

„Atmet er noch?“ fragte Annette in die schweigende Gruppe hinein.

Kurze Zeit später dröhnte durch den Wald der Krankenwagen und gespenstisch zuckte das Blaulicht durch die Baumwipfel. Hubbi wurde vorsichtig auf die Bahre gehoben. Die Polizei verhörte die Kinder.

„Hubbi ließ sich einfach nichts sagen und nicht warnen. Er macht es immer so: Er denkt, er wäre der Größte, aber kann nachher doch nicht das, was wir Größeren können.“

„Stimmt – er hat so einen starken Willen -, was er im Kopf hat, setzt er durch“, bemerkte Andreas.

„Und“, ergänzte etwas grinsend Bernhard, „er heißt ja nicht umsonst bei uns „Häuptling Dickschädel.“

Beklommen stand Jungscharleiter Rolf Sonderburger am Bett von Hubbi. Hubbi hatte sich eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen und das Schlüsselbein gebrochen. Der Jungscharleiter wollte ihm jetzt keine Predigt halten, konnte es jedoch nicht verkneifen, ihm etwas zu sagen.

„Hubbi – eines muß ich dir lassen: Mut, Mut! Aber, denke daran: Du hast zwar einen Dickschädel – schlimmer wäre es jedoch, du hättest ein hartes Herz und wärst verschlossen für Jesus und das Evangelium. Sag mal: Bist du eigentlich auch hart und ein Dickschädel gegenüber Gott?“

Etwas mühsam, jedoch schnell und kantig-wach wie immer, antwortete Hubbi: „Nein, ich will butterweich offen sein für Gott – verschlossen gegenüber Gott, das wäre … einfach dumm!“

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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