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Angst vor Dienstagmorgen, 8.20 Uhr

„Mannomann, ist das eine Keucherei!“ Daniel war so kugelrund wie der Ball, hinter dem er herlief. Alle bejubelten jedoch die drahtigen, wilden und schnittigen Kerle der Klasse 7b. Nur der Daniel! Oh, weh! Alle zwei Minuten musste er völlig erschöpft durch seine Kilos am Rand der Sporthalle sitzen. Darunter litt er gewaltig. Die ewige Veräppelei wegen seiner Pfunde am Körper machte ihm Kummer. Keine Hose passte ihm richtig. Der Gürtel hing tief am Leib. Ständig lachten die Jungen über seine Schwerfälligkeit. Und jeder Sportunterricht am Dienstag war ein Horrorerlebnis. Angstschweiß stand ihm schon von Sonntag an auf der Stirn. Panik ergriff sein Gemüt. Die Eltern wussten auch keinen Rat mehr, wenn der Junge sich so in Gedanken vergrübelte.

„Herr Jesus, weißt du kein Mittel, wie Daniel wieder froh werden könnte? Ach, Herr, er muss doch in die Schule!“, seufzte seine Mutter täglich dem Herrn Jesus Christus vor. „Lass diesen Jungen nicht allein!“, betete sie intensiv.

Und Gott erhörte ihre Gebete. Auf einer Familienfreizeit in Griechenland lernte die Familie Soller einen sehr netten, entschiedenen Christen kennen. Von Beruf war er Kinderarzt. Die Mutter fasste sich ein Herz und sprach sich bei diesem liebenswürdigen Menschen aus.

„Ach, Herr Krause, können sie uns nicht einen Rat geben, was wir mit unserem Daniel tun sollen?“

Herr Krause hörte der Mutter aufmerksam zu und fragte sie dann: „Nun, Jesus Christus kann immer helfen. Ich will auch mein Möglichstes tun. Aber … ein paar Fragen hätte ich schon an Sie“, sagte der Arzt zu der aufgeregten und besorgten Mutter, nachdem er die Essgewohnheiten von Daniel beobachtete und bei ihm eine gewisse Riesenbequemlichkeit feststellte. „Den Herrn Jesus dürfen wir bitten, auch ehrlich zu sein – aber … sollten Sie Daniel nicht noch mehr bei seinem hastigen Essen bremsen? Und wie steht’s mit seiner Fülle an Eisverzehr? Das war doch heute bestimmt schon das achte Eis!“ Einfühlsam besprach Dr. Krause alle Auffälligkeiten mit der Mutter.

„Stimmt“, bemerkte Herr Soller dazu. „Daniel bewegt sich auch tatsächlich nur zur Eistruhe und in den Liegestuhl“, fügte der Vater hinzu. Und dann begann das himmlisch-menschliche Fitnessprogramm. Begleitet von den Gebeten der Eltern und einiger Gäste, denen das Gespräch aufgefallen war, begann die aufopfernde Geduldsarbeit des Dr. Krause – mitten in der Freizeit: Frühschwimmen um sechs Uhr im Meer! Müsli und Äpfel statt einer dicken Butterstulle mit Leberwurst! Trippeln am Strand! Fußball und Fahrradfahren! Und immer wieder Belohnungen.

Zwischen Daniel Soller und Dr. Krause entwickelte sich eine dicke Freundschaft. Merklich entdeckte man an Daniel, dass er sich nicht mehr so von Bett zu Tisch und von Tisch zum Liegestuhl schleppte.

„Erstaunlich, erstaunlich – dieser Arzt ist eine Wucht“, meinte Daniel. „Und der Mann sagt mir immer: ‘Jesus hilft dir auch zu Hause, dass du mit Ausdauer weiter das gelernte Sportprogramm anwenden kannst’.“

Und tatsächlich. Nach den 14 Tagen im sonnigen Süden trainierte Daniel wieder daheim in dem zauberhaften Wiesengelände nahe bei Breisach am Rhein. „Noch vier Wochen bis zum Schulanfang …“, dachte er. Knäckebrot und Roggenschrot standen nun genauso auf der Menükarte wie zwischendurch das zünftige Schnitzel. Und selbst ein Eis durfte er sich ab und zu gönnen. Die Ferien neigten sich ihrem Ende zu. Eine interessante Ferienzeit war das! Daniel merkte nicht nur, dass ihm eine gewisse körperliche Betätigung gut tat. Er spürte auch die Nähe und Liebe Gottes. Christus gab ihm Durchhaltevermögen. Und er musste es sich auch schwer erbitten, zumal ihm bei manchen Betrachtungen von Kochbüchern das Wasser im Mund zusammenlief.

Der Sonntag kam. Daniel war ruhig. Montagabend. Daniel konnte schmunzelnd ins Bett gehen. Tatsächlich hatte er reichliche Pfunde verloren – aber sein Herz war ihm auch nicht mehr schwer. Dienstagmorgen, 8.20 Uhr. Die Stunde der Überraschung nahte. Zuerst fiel Sportlehrer Kimmich aus allen Wolken! Dann trudelten die Schüler ein. Fast haute es die lieben Kameraden rückwärts um! Vor ihnen stand kein superschlanker, aber ein schlankerer Daniel. Erstaunt klopften sie ihm auf die Schulter.

„Alle Achtung, Junge“, staunten sie. „Und wie hast’e das gemacht?“, fragten sie.

„Tja – ein guter Freund und mein bester Freund da oben – die halfen mir“, sagte er, indem er mit seinen Händen zum Himmel zeigte.

Und dann spielten sie wieder Fußball – Daniel war auch dabei.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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