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Die Stimmungskanone

„Meine Damen und Herren … was Sie jetzt sehen, das ist viele Millionen Jahre alt … entstanden und älter, viel älter als der Mensch …“ Der Omnibusbegleiter des Reiseveranstalters erklärte in frostigem Ton alle möglichen wissenschaftlichen „Tatsachen“. „Ich lege Wert darauf, daß die Entwicklungsstufen im geologischen Gebilde …“ Ununterbrochen ätzte er mit vielen, teilweise unverständlichen Worten die Atmosphäre. Keinen jedoch interessierte das, was dieser Mann an hochgeistigen Theorien verbreitete.

„Der kommt sich ziemlich wichtig vor“, flüsterte Gerhard Hepper seiner Frau Barbara ins Ohr.

„Und ob er das alles selbst glaubt, was er da verzapft?“ reagierte die Frau verstohlen grinsend.

Der Omnibus tuckelte gemächlich durch die reizvolle Landschaft des Toggenburger Landes in der Nähe von Wattwil in der Schweiz. Die großartigen Bergspitzen des Säntis, eines 2501 m hohen Bergs im Appenzeller Gebiet, ragten gewaltig hinter den Wolken hervor. Frau Wörz und Frau Oettinger und wie sie alle hießen vergnügten sich in diesen halbschwindelnden Höhen bei einer Kaffeefahrt, die sie in Böblingen antraten. In der Nähe von Hemberg in der Schweiz wollte die Reisegruppe bei einer Käserei einen Zwischenstop machen. Unterwegs ließ der Busbegleiter ununterbrochen fragwürdige Dinge los.

„Ja, ja, die Menschen – geformt aus den Kräften der Natur, aus winzigen Zellen in Millionen von ….“ Plötzlich wurde er schwungvoll unterbrochen. Herr Pfau, der Busfahrer aus Gundelshausen, konnte das Geschwafele nicht mehr anhören.

„Mein Vatter ischt an Appezäller, jupheidi, jupheida …“ Der Busfahrer jodelte heiser, aber mit fröhlicher Stimme ein Volksliedchen. Er war gegenüber dem Busbegleiter eine Stimmungskanone, obwohl er nie unkontrolliert den Mund aufriß. Keine zehn Minuten vergingen, und er hatte schon wieder einen Einfall, die 40 Fahrgäste lustig zu unterhalten.

Schunkelnd und ausgelassen fuhren die Kaffeefahrt-Leutchen durchs Grün der Berge, Kurve um Kurve, bergauf, bergab. Busfahrer Pfau konnte herzhaft lachen und zugleich nachdenklich antworten, wenn man ihn fragte.

„Beschränken Sie sich aufs Fahren“, bemerkte der Busbegleiter der Reisefirma grimmig.

Ungehalten vor Ärger über den Busbegleiter, meldete sich nun jener Mann, der seiner Frau vorher ins Ohr flüsterte: „Ach bitte, lassen Sie den Mann fröhlich sein. Er tut doch keinem was.“ Neidisch blickte der Busbegleiter auf Herrn Pfau.

Nach dem Besuch der Käserei in Appenzell fuhr die Gruppe nach Ebnat-Kappel und hielt dort nochmals. Es blieben noch etwa zwei Stunden Zeit, um die Ausflugsmomente des Tages mit Einkaufs- oder Dorfbummel zu vertreiben. Bevor die Frauen und Männer jedoch ausstiegen, meldete sich der Busfahrer noch einmal zu Wort.

„Ich werde kurz ein christliches Gästehaus besuchen. Dort kam ich vor Jahren zum Glauben an Jesus Christus.“ Busfahrer Pfau redete etwas schüchtern durchs Mikrofon. Er hatte sich das lange überlegt, ob er was sagen sollte. Alle schauten erstaunt nach vorne. „Sie können das Haus auch besichtigen, wenn Sie wollen. Aber das soll bloß ein freiwilliger Reisetip sein.“ Einige gaben mit ihrer Hand ein Zeichen, daß auch sie interessiert waren mitzugehen.

Der Busbegleiter raste als erstes wie ein Gestochener in ein Souveniergeschäft und suchte sich mehrere Quarzsteine aus vergangenen Vorzeiten aus. Herr Pfau dagegen bemerkte: „Ich gehe jetzt dorthin, wo ich vor acht Jahren gehört und erfahren hatte, daß Gott der Schöpfer ist, der Himmel und Erde gemacht hat, und mich schon vor Ewigkeiten geliebt und gekannt hat.“ Ein reges Gespräch ergab sich aus diesem nicht alltäglichen Lebensbericht. Die Leute hörten „ganz Ohr“ zu. Busfahrer Pfau mußte nicht so sehr überzeugen, weil er überzeugend vor den Gästen lebte.

„Gott hat mich geschaffen und nicht Meister Zufall – so sehe ich es und so steht’s auf den ersten Seiten der Bibel.“ Lebhaft schilderte er den Leuten der Kaffeefahrt – obwohl nur einige wenige wirklich mitgingen -, was Jesus Christus in seinem Leben getan und verändert hatte. „Und die Berge, Seen und Täler, die hat Gott für mich gemacht. Das glaube ich“, ergänzte er. Abwechslungsreiche 70 Minuten verbrachten sie dann in dem christlichen Gästehaus.

Spät nachmittags schepperte der Bus wieder die Bodenseeautobahn in Richtung Böblingen entlang. „Wir haben das beste Souvenier der Welt mitgenommen!“ Barbara Hepper blinzelte mit ihren braunen Augen ihren Mann liebevoll an, der gerade mit seiner Fotoleidenschaft die letzten Dias der Reise schoß. Sie hielt eine Bibel in der Hand, die sie in Ebnat-Kappel in jenem Haus erstanden hatte.

„Das war die beste Kaffeefahrt des Jahrtausends“, bemerkte ihr Mann Gerhard schelmisch. Der Bericht von Busfahrer Pfau, der Besuch in dem Gästehaus und die kurze Bibelandacht hinterließen bei ihnen prägende Spuren. Einige Wochen später kamen auch sie zum Glauben an Jesus Christus und erkannten ihn als den ewigen Gott, der auch sie erschaffen hatte.

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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