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Das Haus der Schlangen

„Bellhoff ist ein komischer Kauz!“ Im Klassenzimmer der 6b in Köln wurde über Klassenlehrer Bellhoff gemauschelt. Herr Bellhoff war bisher in der Schule als korrekt und gerecht, aber sehr steif in seinem Benehmen und dazu noch als extrem wortkarg bekannt. Doch irgend etwas mußte während der Sommerferien passiert sein. Er benahm sich nach seiner Rückkehr von einer Japan-Reise äußerst merkwürdig. Noch vor den Ferien schwärmte er öfter von „besonderen Besuchen“, die er in dem asiatischen Urlaubsland allein machen wollte. Herr Bellhoff war ein Einzelgänger und eingefleischter Junggeselle. Kleidete er sich sonst „einfach-altmodisch-zugeknüpft“, unterschied sich nun seine Kleidung von dem sonst so einfachen Auftreten durch eine weite, schwarze Hose und durch ein schlappes, überweites schwarzes Hemd. Am Hals hatte er drei Markierungen in japanischen Zeichen tätowiert.

„He, was ist nur mit dem geschehen?“ zischte Elsa zur Schulnachbarin.

„Früher schwätzte er höchstens fünf Worte pro Stunde und nicht mehr als nötig – und jetzt sind es 500 pro Sekunde“, kicherte Sandra Reisser übertreibend. Die ganze Klasse rätselte über diesen neuen ungewöhnlichen Tatsch von Erich Bellhoff.

„Wenn wir nur rauskriegen könnten, was die Schriftzeichen am Hals bedeuten“, sagte Karl, ein Mitschüler.

„Ich weiß was“, antwortete Philipp Knoll. „Unser Gemeindepastor war acht Jahre Missionar in Japan – der soll das übersetzen.“

„Aber, wie kommen wir so an ihn ran, daß er dem Missionar den Hals zeigt?“ bemerkte ein anderer Schüler fragend.

„Soll sich der Pfarrer doch verkleiden“, überlegte Sandra.

„So ein Quark mit Vanille-Bratensoße“, rüpelte Karl verständnislos.

„Moment, das muß in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ruckzuck passieren. Nur … wie das, ohne zu belügen und zu betrügen?“ bemerkte Philipp. Philipp war Christ und wollte kein krummes Ding drehen. Aber neugierig waren alle. „Komm, wir fragen doch einfach Herrn Bellhoff selbst, was es heißt“, meinte Philipp. Alle waren schließlich einverstanden.

„Das, das … äh … das soll heißen, soviel wie … ach, was geht das euch an“, schmetterte der Lehrer zurück.

„Wir müssen herausbekommen, was mit Bellhoff los ist!“ Mit der rasenden Neugier von jungen Abenteurern sprachen sie am Spätnachmittag in der Jungschar mit Pastor Dennemann über diese Geheimzeichen.

„Sehr interessant, was ihr mir da berichtet“, meinte der Pastor nachdenklich. „Ich gehe einfach nachher mit einer Abordnung von euch zu ihm, und wir besuchen ihn – schlicht und ergreifend“, fügte er hinzu. Im stürmischen Beifallsgejohle der Kindergruppe war die Sache beschlossen. Und so schlichen sie gegen 18.30 Uhr wie Geheimagenten zum Haus von Herrn Bellhoff. Vor dem Haus befand sich eine große Gartenanlage mit verschiedenen Sträuchern und einer Wiese. Vorsichtig blickten Pastor Dennemann, Sandra, Philipp und Karl am Haus hoch und inspizierten kritisch das Gebäude.

„Niemand da?“ riefen sie durch die geöffnete Terrassentür ins Wohnzimmer hinein, nachdem sie ein Sturmgeläute an der Glocke am Gartenrand ausgelöst hatten.

„Komisch – alle Möbel sind mit schwarzen Tüchern überhängt“, entdeckte Karl.

„Hier geht was nicht mit rechten Dingen zu“, meinte Herr Dennemann.

„Keeiiiiner daaaa?“ schrie der Pastor in das Haus hinein. Diesmal standen die Leutchen schon im Hausflur.

„Mir ist’s ein wenig zu schaurig, ich warte lieber draußen.“ Sandra trat Schritt für Schritt den kurzen Rückweg an. „Iiiiiiahhhhh, Hiiilffee!“ Ein Schrei durchbohrte das Gebäude. „Eine Schlaaaange“, rief Sandra von Todesangst gezeichnet zu den anderen im Hausflur. Erstarrt vor Schreck und völlig vor Angst gelähmt, stand sie im Wohnzimmer vor einem Reptil. Sofort erkannte Herr Dennemann die Gefahr, nahm eine Blumenvase, die auf einem Schränkchen stand und feuerte sie mit einer Blitzbewegung auf die grasgrüne, 1,30 m lange Baumschnüffler-Schlange, die er als solche erkannte. Mit raschen, räkelenden Bewegungen verzog sich die Schlange nach draußen. Sandra saß noch erstarrt in einer Ecke und weinte.

„Das ist doch die Höhe, was hat denn der Bellhoff für ein Hobby … Herr, bewahre uns“, stotterte der Pastor im Kreis seiner mitgebrachten Besucher.

„Hiillfeee“, krächzte es aus dem zweiten Stock. Was war das schon wieder?

„Ihr wartet hier und rührt euch nicht von der Stelle!“ befahl der Pastor. Langsam tapste er die knarrende Treppe hoch. Er bewaffnete sich mit einem Spazierstock, den er in einer Ecke fand. Nachdem er vier Zimmer im oberen Stockwerk leer fand, entdeckte er Lehrer Bellhoff im letzten Raum schmerzverzerrt am Boden liegen.

„Ich, ich … wollte die Schlange füttern und dann … ahh, tut das weh …“, unterbrach er kreidebleich seinen Bericht, „und … dann … biß sie zu“, sagte er. Herr Dennemann erkannte die Lage sofort. Er wählte die Rufnummer 110 und schilderte den Beamten vom Polizeinotruf die Situation.

„Da haben Sie aber ein komisches Hobby, mit Giftschlangen und anderen niedlichen Tieren herumzuspielen“, sagte Pastor Dennemann zu Bellhoff.

„Das ist kein Spiel, sondern die Verkörperung von Verstorbenen, mit denen ich rede“, sagte der am Boden liegende Mann unter Schmerzen.

„Ich werde jetzt für Sie beten“, sagte der Pastor energisch, „ob Sie das wollen oder nicht, denn was Sie da machen, ist Teufelskult und Götzenverehrung!“ Die Feuerwehr rückte in der Zwischenzeit mit Schlangenspezialisten an. Herr Bellhoff konnte gerade noch gerettet werden. Normalerweise konnte dieser Biß töten.

„Der muß noch eine saftige Strafe zahlen, vielleicht sogar die Gefängnismäuerchen begutachten“, sagte Herr Dennemann ernst. Aber schlimmer ist das, was ich am Hals gelesen habe“, bemerkte er dramatisch.

„Ja, was denn, so sagens Sie’s uns doch!“ bettelte Philipp.

„Ich kann’s nicht ganz verdeutschen, aber es heißt etwa soviel wie: ‘Hasse Gott, bete diabolo an!’“

„Was heißt das denn?“ fragten die Kinder.

„Das heißt soviel, daß Herr Bellhoff in eine Sekte oder irgendeinen fremden Teufels-Götterkult hineingeschlittert ist.“

„Dann müssen wir aber fest beten, daß er den Herrn Jesus als Gott erkennt und nicht so dumme Sachen macht“, betonte Philipp.

„Kinder, wenn Menschen nicht Jesus als das Licht der Welt haben, dann verehren sie irgendeinen Gott der Finsternis, des Bösen, auch wenn’s meist nur harmlos ist und sie oft nichts davon merken,“ erklärte Pastor Dennemann und fügte hinzu: „Gebt nur Jesus Christus allein die Ehre und haltet einen riesigen Abstand zu allem, was euch komisch vorkommt.“ Die Kinder nickten.

Herr Dennemann führte mit Herrn Bellhoff ein vertrauensvolles Gespräch im Krankenhaus. Doch der Lehrer wollte nichts über Jesus wissen. Er mußte von der Schule gehen und wurde für sein ungesetzliches Einschmuggeln von Schlangen aus verschiedenen Ländern ziemlich bestraft. Schlimmer noch war seine entsetzliche Ablehnung gegen den wahren Herrn und Gott, Jesus Christus. Aber in Jungschar und Gemeinde betete man weiter für diesen Mann. Sandra, Karl und Philipp wurden gute Freunde, gingen zusammen in den Kindergottesdienst und vertrauten miteinander Jesus Christus.

„Uäääh …“ schrie Philipp, als Sandra ihm eine 50 cm lange Schlange vor die Nase hielt. Sie lachte jedoch.

„Diese kannste verdrücken … guten Appetit auch!“ sagte Sandra grinsend und flüchete. Lächelnd schmiß Philipp dem Mädchen einen Bleistiftspitzer hinterher.

„Nur gut, daß wir keine Schlangen anbeten müssen, sondern dem Herrn Jesus vertrauen dürfen“, rief er ihr lauthals nach, so daß es alle Mitschüler hören konnten. Er schmatzte genüßlich an der Zuckerschlange, die nach wenigen Sekunden nur noch zehn Zentimeter lang war …

 

Autor: Ralph Doll

(aus: Voll-TREFFER – pfiffige Zeitschrift für Kids; © Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg)

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